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Montag, 15. Februar 2010

Website der Saison

Falls sich Leser durch meine Beiträge zur Deutschen Bahn gelangweilt fühlen, kann ich nur darauf hinweisen, dass die ständigen Wartezeiten auch nicht spannender sind. Meine aktuelle Lieblingsseite im Web ist www.bahn.de/ris .

Dort kann man die aktuellen Verspätungen pro Zug / Ankunfts- und / oder Abfahrtsort abfragen. Exemplarisch habe ich mal einige der Meldungen zu Zügen der nächsten zwei Stunden ab Hannover herausgefischt.

  • Sonntagskinder treffen vereinzelt auf diese Anzeige:

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Derart gesegnete Reisende sollten sofort die nächste Lotto-Annahmestelle aufsuchen und um den Jackpot spielen.

  • Glücklich kann sich schätzen, wer zu seinem Zug diese Ankündigung findet:

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Tendenziell werden am Bahnsteig daraus doch noch bis zu 20 Minuten Verspätung. Doch diese werden jeweils in 5er Schritten angekündigt. Man wird sich also kaum trauen, die Wartezeit noch zur Erledigung irgendwelche Tätigkeiten abseits des Bahnsteiges zu nutzen. Aber der Zug wird kommen.

  • Auch diese Angabe ist durchaus gern gesehen:

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Klar, niemand wartet gerne, wenn er im Zug sitzt und eigentlich auf Bewegung des Untersatzes hofft. Aber wer hoffte nicht schon einmal darauf, dass der Anschlusszug wartet. Toleranz ist in dieser Situation also mehr als angebracht.

  • Natürlich können sich Verspätungen im Laufe des Tages aufsummieren:

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Vorsicht ist geboten: Man sollte sich nicht verleiten lassen, aus diesem Grund morgendliche Reisezeiten zu bevorzugen. Morgens geht der Spaß ja erst los und die Züge sind so voll, dass das ungeplante Ausweichen auf einen anderen Zug mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Stehplatz führt. Ein Sitzplatz ist übrigens bei der Bahn als besonderer Service und keinesfalls als Selbstverständlichkeit zu verstehen. Wenn man richtig viel Ärger macht, bekommt man unter Umständen das Geld für die Reservierung (zwischen 3,5 und 5,5 €) zurück. Falls man allerdings in einem Zug steht, in dem die Reservierung umsonst gratis war, weil man ja nur die Reservierung des ersten Zuges pro Reise bezahlt, gibt es für den Spaß natürlich nur 0,0 € zurück.

  • Ungläubig starre ich manchmal auf diese Nachricht:

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Trotz vielfältiger Zugausfälle ist die Strecke ausgelastet. Nun ja, wird schon seine Richtigkeit haben.

  • Eine tolle Nachricht ist auch

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Prima, Ausländer sind schuld. Die Deutsche Bahn ist also eigentlich ein Opfer. Ich fühle mit ihr. Aus welchem Ausland die Übergabe nach Hannover erfolgten sollte, habe ich nicht nachverfolgt.

  • Wenn das Ausland schon keine Schuld trifft, dann doch hoffentlich zumindest ein anderes Triebfahrzeug:

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Ich kenne die Abläufe der Bahn nicht gut genug, um zu bewerten, wie denn eine solche Störung andere Züge beeinflusst. Vielleicht sind Lokführer auch einfach mal ganz gerne Gaffer, die sich an den Schäden anderer Triebfahrzeuge ergötzen. Wurden eigentlich schon Züge umgeleitet, um Störungen an anderen Triebfahrzeugen beiwohnen zu können?

  • Und wenn man die Schuld nicht auf das Ausland oder Triebfahrzeuge schieben kann, muss eben die Oberleitung herhalten:

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  • Manchmal tritt diese in Kombination mit einem Gleiswechsel auf:

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Ich weiß nicht, ob dort ein kausaler Zusammenhang besteht, aber es liest sich beeindruckend. Bei der Vorankündigung von Gleichwechseln geht ein Teil des Vergnügens verloren: Idealerweise wird erst eine “Ankunft in umgekehrter Zugreihenfolge” angekündigt, so dass man sich schon von Gleisabschnitt “A” in Richtung “G” aufmacht. Wenn man dann dort ist, kommt erst die Meldung, dass der Zug nun doch von einem Gleis am anderen Ende des Bahnhofs abfährt. Dann muss man nämlich schnell zurück zur Treppe und ab zum neuen Gleis. Dort sollte man genau auf die Ansage hören. Vielleicht hat die Bahn noch weitere Überraschungen parat.

  • Ich weiß überhaupt nicht, was ich von dieser Angabe halten soll:

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Wahrscheinlich driftet der Zug noch in einer anderen Dimension oder im Hyperraum und daher lassen sich keine Aussagen zur tatsächlich geschätzten Abfahrtszeit machen. Sicherheitshalber würde ich ein anderes Verkehrsmittel wählen.

  • Aber mein absolutes Highlight war heute:

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Zu diesem Zeitpunkt bewegten sich die Temperatur um den Gefrierpunkt und es war (gefühlt) warm und (tatsächlich) sonnig.

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Solche Voraussetzungen stellen natürlich denkbar ungünstige Betriebsbedingungen für Züge in Mitteleuropa dar. Daher danke ich hiermit der Deutschen Bahn, die trotz dieser widrigen Umstände alles tut, um die geschätzten Passagiere ans Ziel zu bringen.

Ich persönlich war übrigens auf einen Zug angewiesen, der die Zustände “pünktlich”, “ca. 5 Minuten später”, “ca. 10 Minuten später”, “ca. 15 Minuten später” und “ca. 20 Minuten später” annahm. Ca. 5 Minuten nach 20 Minuten später ging die Reise dann auch schon fast los.

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