Die besten Geschichten schreibt das Leben. Und ich schreibe mit.

Donnerstag, 25. Mai 2017

Buch: Riad Sattouf - Der Araber von morgen, Band 3: Eine Kindheit im Nahen Osten (1985-1987)

























Weitere Einblicke in die arabische Welt.

Riad Sattouf ist fleißig und geschäftstüchtig. Der erste Band der autobiographischen Kindheitserzählungen über seine ersten sechs Lebensjahre in Frankreich, Libyen und Syrien war sehr erfolgreich. Nun folgten in recht kurzen Abständen die Schilderungen der jeweils zwei weiteren Jahre. In den Jahren 1984-1985 hielt sich Riad mit seiner Familie bis auf einen kurzen Besuch in Frankreich komplett in Syrien auf. Band drei knüpft an diese Zeit an und erschien kürzlich. 

Wirklich bahnbrechende Entwicklungen hat Band drei im Vergleich zu den Vorgängern nicht zu bieten. Riad berichtet über seine Schulzeit, ein Weihnachtsfest und natürlich seine Familie. Was ein Kind in diesem Alter eben so erlebt. Natürlich unterscheidet sich ein Leben in Syrien merklich von dem in Frankreich bzw. Mitteleuropa. Riad wird älter und verliert in seinen Schilderungen etwas von seiner kindlichen Naivität, statt dessen zeigen sich verstärkt kritische Sichtweisen. Der Autor passt die Erzählweise gut an das Alter an. 

Bei den letzten Bänden ärgerte ich mich schon fast über Riads Mutter, die alle "Spinnereien" ihres Mannes weitgehend klaglos ertrug. Mit Genugtuung stelle ich fest, dass sie erste Schritte in Richtung ihrer Emanzipation zeigt. Zur Geburt des dritten Kindes reisen Riad, sein Bruder und seine Mutter nach Frankreich. Der Kontrast zum Leben in Syrien wird deutlicher aber es zeigt sich, dass Riad auch in dieser Umgebung Anpassungsschwierigkeiten hat. Es ist nicht leicht, zwischen zwei Kulturen aufzuwachsen. Der gefühlte Höhepunkt des dritten Bandes ist Riads Beschneidung.  

Unverändert unsympathisch erscheint Riads Vater. Ein Konflikt mit dessen eigener Mutter und die spätere Versöhnung zeigt, dass auch er bezüglich seiner Lebensweise Widersprüche zu überbrücken hat. 

Band drei ergänzt Band zwei, ist aber etwas unspektakulär geraten. Kompensiert wird dieser Gesamteindruck durch den "Cliffhanger", der mich neugierig auf die Fortsetzung macht. 

Dienstag, 23. Mai 2017

Echt nah dran

Gestern haben sich Führungskräfte der deutschen Bahn unter das gemeine Reisevolk gemischt. Durch Befragungen sollte die Stimmung eingefangen und durch nette Gesten und Rosen selbige gesteigert werden. 

Eine große Ansammlung der offensichtlich motivierten und durch einheitliche Kleidung gekennzeichneten Teilnehmer der Aktion zeigte sich am ICE Bahnhof des Frankfurter Flughafens. 


Da kam es dann zu lustigen Situationen. An den Zugtüren buhlten gleiche mehrere Bahnmitarbeiter um Passagiere, deren Koffer sie in den oder aus dem Zug wuchten durften. Und ein Schaffner wurde gleich von mehreren Kollegen gefragt, warum er nicht auf helfen würde. Er konnte sich auf eine Schulterverletzung berufen...

Mit wurde eine Rose geschenkt. Mein Einwand, dass ich sie auf der Reise nicht recht würdigen könne wurde mit "Dann schenken Sie sie eben einer Frau im Zug." Die Rezeptionistin in meinem Hotel hat sich gefreut. 

Montag, 22. Mai 2017

Musik: Fazerdaze - Morningside

























So entspannt wie Neuseeland. 

Indierock, Pop (auch in der verträumten Beach House-Variante), Lo-Fi, Synthies und Shoegaze sind die Zutaten, mit denen Amelia Murray aka Fazerdaze experimentiert. Die gleichnamige EP erschien im Jahr 2014 und nun folgte das Debütalbum "Morningside". Es klingt so schön und entspannt, wie man sich die neuseeländische Heimat der Sängerin vorstellt. Echte Abenteuer bietet "Morningside" nicht, aber eine nette Wohlfühlatmosphäre. 

"Last to sleep", "Friends" und "Half-figured" sind meine Anspieltipps für "Morningside". Ein Video gibt es zu dem Titel "Little uneasy":

"Shoulders":


Fazerdaze werden am 27.05. auf dem "Immergut Festival" in Neustrelitz auftreten. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Songs in Verbindung mit lauen Sommerabenden auf entspannten Festivals gut funktionieren werden.  

"Morningside" ist:

Sonntag, 21. Mai 2017

Buch: Kanae Minato - Geständnisse

























Subtile Spannung durch "alternative Fakten" und Abgründe. Toll. 

Da brauchte es fast zehn Jahre, einen Buchpreis, einen Film und eine englische Übersetzung, bis es ein lesenswerter Roman auch in deutschen Regale oder auf e-Reader schaffte. Grundsätzlich mag ich Romane japanischer Autoren, die Andersartigkeit des Lebens und Denkens in dem Land sind gute Voraussetzungen für herausfordernde oder zumindest andersartige Leseerlebnisse. Und darüber hinaus werde ich an meinen Besuch vor Ort vor einigen Jahren immer wieder gerne erinnert. 

"Geständnisse" beginnt recht harmlos, kommt aber dann mit der Geschichte über den Tod der kleinen Tochter einer Lehrerin und der Tatsache, dass deren Mörder aus der Klasse der Lehrerin stammen recht flott zum Punkt. Unterrichtet wird der Leser darüber aus Perspektive der Lehrerin, welche diese ihrer Klasse erzählt. Als wäre das nicht schon genug, setzt die Lehrerin ihre Schüler auch noch darüber in Kenntnis, dass sie sie Bestrafung der Mörder selbst vorgenommen hat, indem sie die bereits konsumierte Milch der beiden Jungen mit dem Blut eines HIV-Infizierten vermischt hat. Und nun kommt die wirkliche Überraschung des Buchs: Die Kenntnis dieser Ausgangslage stellt für den Leser keinen Spoiler dar. 

Die folgenden Kapitel knüpfen an diese Situation an und fügen durch geschickte Perspektivwechsel neue Tatsachen oder zumindest Interpretation hinzu. Im zweiten Kapitel berichtet eine Schülerin der Klasse in Form eines Briefs an die Lehrerin über die Vorkommnisse, die sich nach der Offenbarung in der Klasse abspielen. Im folgenden Kapitel kommt dann die Schwester eines der Mörder und dessen Mutter in Form von Tagebucheinträgen zu Wort. Später übernehmen die beiden Mörder selbst die Schilderung. 

Zwei Muster zeichnen sich ab: Gegen Ende der Kapitel kommt jeweils noch ein "Hammer" und über den Roman wird alles immer noch einen Tick schlimmer. Selten fühlte ich mich so subtil an menschliche Abgründe herangeführt. 

Die Japanerin Kanae Minato hat seit 2008 bereits 14 Romane veröffentlicht. "Geständnisse" war ihr Debüt und es macht mich sehr neugierig auf weitere ihrer Werke oder des Genres, welches in ihrer Heimat als "Iyamisu" bezeichnet wird und die dunkle Seite der Menschen als prägendes Element nutzt. 

"Geständnisse" ist ein toller Thriller und absolut lesenswert. 

Samstag, 20. Mai 2017

Ausstellung: Comics! Mangas! Graphic Novels!@Bundeskunsthalle, Bonn















Bonns Bundeskunsthalle kannte ich bislang nur vom "Simon, die alte Frau van Cleef und ich"-Festival im Jahr 2006. Eine Regenphase und der im Rahmen des Festivals freie Eintritt verschlugen mich in eine Sammlung moderner Kunst. Das brauchte es einige Jahre und nun die Comics! Mangas! Graphic Novels!-Ausstellung, um mich wieder neugierig zu machen.

Besagte Ausstellung wird als die bislang umfangreichste Sammlung dieses Genres in Deutschland beworben und viel mehr darf m. E. auch gar nicht mehr aufgefahren werden. Nach meinem gut zweistündigen Besuch war ich erschlagen. Von den Ursprüngen der Comics in amerikanischen Zeitungen über die unvermeidlichen Superhelden und europäische Ausprägungen  bis zu Graphic Novels sowie Mangas ist alles dabei, wenn auch mein Superheld "Asterix" etwas kurz kam. Die Ausstellung ist sehenswert und man kann dort sicher auch drei bis vier Stunden verbringen. 

Die Form der Ausstellung ist natürlich weitgehend vorgegeben: Comics werden in Auszügen gezeigt, erläuternde Tafeln liefern Hintergründe. An drei Stationen kann man mit Ocolus Rift in VR-Welten reinschnuppern, ansonsten hält sich der Multimedia-Firlefanz erfreulicherweise in Grenzen. 

Nun ist es passiert: Ich habe das Label "Ausstellung" erstellt.

Donnerstag, 18. Mai 2017

Outshined

Er hat einige überstrahlt.

Mittwoch, 17. Mai 2017

Früher liefen solche Sachen im Musikfernsehen: Thurston Moore - Aphrodite

Zum Song "Aphrodite" aus Thurston Moores "Rock n roll consciousness" gibt es nun auch ein Video:

Dienstag, 16. Mai 2017

Vorhören: The Mountain Goats - Goths

Der Song "Rain in SoHo" hat es bereits in meine Liste der Songs 2017 geschafft. Das Album wird Ende der Woche erscheinen. Ich bin gespannt. Vorab gibt es den Stream schon jetzt.

Montag, 15. Mai 2017

Musik: At The Drive-In - In•ter a•li•a

























2002 wäre das Album eine mittlere Enttäuschung gewesen. Heute nicht.  

"Relationship of command" tauchte in vielen Jahresbestenlisten des Jahres 2000 auf. Die Reichweite des Albums wurde erst später klar, als dieser Post-Hardcore-Kracher immer wieder als Referenz genannt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war At The Drive-In bereits in The Mars Volta und Sparta zerfallen. Um das Jahr 2010 fand die Band wieder zusammen. So recht klappte es aber nicht mit der Chemie und so war 2012 wieder Schluss. Anscheinend als Therapie gründeten die beiden Protagonisten Omar Rodríguez-López und Cedric Bixler-Zavala die Band Antemasque. Deren gleichnamiges Debüt war ein solides Alternative-Album aber kein Ersatz für At The Drive-In.

Nun erschien nach 17 Jahren mit "In•ter a•li•a" der Nachfolger von "Relationship of command". Langzeit-Mitglied und Sparta-Gründer Jim Ward ist nicht mehr dabei, an seine Stelle tritt Sparta-Gitarrist Keeley Davis. "In•ter a•li•a" ist Post-Hardcode, (Art) Punk und Alternative. Hätte At The Drive-In dieses Album im Jahr 2002 veröffentlicht, wäre es Abklatsch des starken "Relationship of command" bezeichnet worden. Im Jahr 2017 ist es ein gutes Album und ein souveräner Rückblick auf die Stärken der Band. Alles richtig gemacht. 

"In•ter a•li•a" ist sehr homogen geraten. Der Song "Ghost-tape no. 9" fällt auf, weil er der relative Ruhepol des Albums ist. Generell klingt "In•ter a•li•a" in meinen Ohren weniger hektisch und daher hörbarer ist als "Relationship of command". Ungeheuer kraftvoll klingt dieses Comeback trotzdem. 

Das Video zu "Hostage stamps":

"Incurably innocent":

Für den 23.08. ist ein Konzert der Band in München angekündigt.

"In•ter a•li•a" ist:

Sonntag, 14. Mai 2017

Früher liefen solche Sachen im Musikfernsehen: Offa Rex - Queen of hearts

Die englische Folk-Sängerin Olivia Chaney hat sich mit den Decemberists zusammengefunden und das Ergebnis sind ein Projekt namens Offa Rex und dieser tolle Song:


Das gleichnamige Album wird im Juni erscheinen.

Samstag, 13. Mai 2017

Welcome back: Fleet Foxes

Ich freue mich auf das neue Album der Fleet Foxes. Vorab gibt es das Video zu "Fool's errand":

Freitag, 12. Mai 2017

Musik: Mando Diao - Good times

























Relativ gute Zeiten. Zumindest besser als Aelita und Caligola. 

Chemisch gesehen wird bei Reaktionen eine "Aktivierungsenergie" benötigt, um von einem Zustand in den anderen zu gelangen. So war es auch bei Mando Diao. Bis zum (bis heute) international erfolgreichsten Album "Give me fire!" im Jahr 2009 war das Bandgefüge recht stabil. 2012 überraschten die Schweden mit "Infruset", dem ersten Album in ihrer Muttersprache. Das kam zumindest in Schweden hervorragend an. Kurz zuvor tobten sich die beiden Sänger Gustav Norén und Björn Dixgård bereits bei Caligola aus. Die Fragzeichen über den Köpfen vieler Fans wurden mit "Aelita" im Jahr 2014 noch größer. Diese drei Alben waren m. E. die Aktivierungsenergie, die ich eingangs erwähnte. Gustaf Norén verließ die Band, und so musste Mando Diao für "Good times" erstmals mit nur einem Frontman auskommen, neben ihm blieb noch Bassist Carl-Johan Fogelklou als weiteres Gründungsmitglied erhalten. 

Das nun veröffentlichte achte Album heißt "Good times" und daher beginne ich auch mit den relativ guten Nachrichten: Es ist weniger schlecht als "Aelita". Die einen oder anderen Electro-Beats klingen noch durch, aber die Band hat sich wieder in Richtung Mainstream-Rock orientiert. Mit "All the things" und "Shake" sind auch radiotaugliche Hits enthalten, welche den einen oder anderen Fan aus "Dance with somebody"-Zeiten locken könnten. "Dancing all the way to hell" gefiel mir auf Anhieb gut. Titel wie "Break us", "Good times" und "Without love" sorgen auf der anderen Seite für einen durchwachsenen Eindruck. Nach den missglückten Experimenten kann man der Band kaum vorwerfen, dass sie sich wieder an den alten Erfolgen orientieren. Wirklich spannend klingt "Good times" aber so nicht. Aber wie gesagt, besser als "Aelita"...  

Das Video zu "All the things":


"Shake":


Da die beiden Sänger ähnlich klangen, dürfte das Live-Erlebnis nicht wesentlich getrübt werden:
  • 23.06. Southside Festival
  • 25.06. Hurricane Festival
  • 21.11. Dortmund
  • 23.11. Berlin
  • 24.11. Köln
  • 25.11. Hamburg
  • 29.11. München
  • 01.12. Wiesbaden
Im Rahmen der ESC-Berichterstattung wird Mando Diao morgen bei der "Grand Prix Party" auftreten. Ist der Ruf erst... 

"Good times" ist:

Donnerstag, 11. Mai 2017

Musik: Love A - Nichts ist neu

























Ist das noch Punk? Egal, genau so viel "Punk" mag ich.

Es brauchte ein paar Durchläufe, aber nun bin ich begeistert. Love A habe ich mit deren dritten Album "Jagd und Hund" kennengelernt. Der Song "Trümmer" daraus war für mich einer der Hits des Jahres 2015. Die Band aus Trier, Köln und Wuppertal wurde 2010 als Love Academy gegründet. "Nichts ist neu" ist bereits das vierte Album des Quartetts. 

Schon auf "Jagd und Hund" hat mich die Kombination beeindruckt: Karl Brausch am Schlagzeug und Dominik Mercier am Bass liefern Drive und ein solides Grundgerüst, Stefan Weyer wirft mit der Gitarre Melodien ein und sorgt für prägnante Akzente. Das klingt alles überwiegend nach Indierock. Doch es kommt noch Jörkk Mechenbiers charismatischer Gesang hinzu. Immer souverän diesseits der Grenze, ab der Punk-Gesang wegen des aufgezwungenen Dilettantismus' gerne mal nervt, ist Mechenbiers Stimme das prägende Element und Love As Energiespeicher. Das klingt an den richtigen Stellen wütend bis anklagend und ansonsten immer intensiv und engagiert. Und dann drehen sich die Texte noch um Herausforderungen und Unzulänglichkeiten des "normalen" Lebens statt mit der Faust in der Luft Don Quijote spielen zu wollen. "Nichts ist neu" ist rundum gelungen und die willkommene Fortsetzung von "Jagd und Hund". 

Die Hits auf "Nichts ist neu" sind "Nichts ist leicht", "Die Anderen" sowie meine Lieblinge "Sonderling" und "Weder noch". Der Text von "Weder noch" ist sehr hörenswert. Wann empfehle ich schon mal Songs wegen Texten?

"Nichts ist leicht":


"Die Anderen":


Love A live:
  • 11.05. Münster
  • 12.05. Nürnberg
  • 13.05. Berlin
  • 24.05. Hamburg
  • 25.05. Düsseldorf
  • 26.05. Wiesbaden
  • 27.05. Leipzig
  • 01.07. Trier
  • 14.07. Dortmund (Festival)
  • 29.09. Hannover
  • 30.09. Flensburg
  • 01.10. Rostock
  • 02.10. Bremen
  • 27.10. Weinheim
  • 28.10. Koblenz
"Nichts ist neu" ist:

Mittwoch, 10. Mai 2017

Dienstag, 9. Mai 2017

Musik: Kasabian - For crying out loud

























Stadionfutter.

Bei den ersten Durchläufen tat ich mich schwer: Insgeheim erhoffte ich mir von Kasabian ein großartiges Album wie "Velociraptor!", aber das letzte Werk "48:13" ließ mich erfahren, dass auch die Band aus Leicester weniger gute Musik produzieren kann. Erst nachdem ich mir die Bonus-CD mit Live-Songs angehört hatte verstand ich "For crying out loud": Es ist überwiegend kraftvolles Material für die Stadion-Ambitionen der Band. Titel wie "Ill ray (the king)", "Twentyfourseven", "Wasted" und "Comeback kid" werden sich nahtlos in das Set der älteren Hits integrieren lassen. Warum Kasabians Roadie Rick Graham auf dem Cover weint, verstehe ich im Hinblick auf die anstehende Tour nicht (vielleicht ist er ein Anhänger von Leicesters Premier League-Team). Spätestens mit dem Funk-/Soul-/Disco-infizierten "Are you looking for action?" sollte sichergestellt sein, dass sich der Titel des vorangegangenen Songs "The party never ends" bewahrheiten wird.

Bahnbrechende Neuigkeiten bietet "For crying out loud" nicht und das "Velociraptors!"-Niveau wird nicht erreicht. Trotzdem verbindet Kasabian von Madchester über Britpop bis zu Mitgröhl-Balladen vieles von dem, was britischen Musik in den letzten Jahrzehnten ausgezeichnet hat. Nach dem Schnellschuss "48:13" wird vielleicht nun erst mal die Ernte eingefahren und dann hoffentlich Anlauf genommen für eine weitere Großtat. Netterweise hat die Band das Cover mit der Jahreszahl und dem Verweis auf das sechste Album unverwechselbar gemacht. Das wird in einigen Jahren die Einordnung einfacher machen. 

Ich habe mal wieder Lust, Kasabian live zu sehen. Vielleicht gelingt mir das bei einer dieser Gelegenheiten:
  • 30.10. München
  • 31.10. Berlin
  • 01.11. Hamburg
  • 07.11. Köln
"You're in love with a psycho":

"For crying out loud" ist:

Montag, 8. Mai 2017

Hörbuch: More letters of note - Briefe für die Ewigkeit























Vielseitige Einblicke in Briefform. 

"Letters of note" startete als Website und führte inzwischen zu drei Buchveröffentlichungen und einer Bühnenshow. Dahinter stehen jeweils Briefe oder sonstige Aufzeichnungen, welche Einblicke in historische Ereignisse oder in das Leben mehr oder minder bekannter Personen gibt. Der Herausgeber Shaun Usher traf mit dieser Idee offensichtlich einen Nerv, der Erfolg der Crowdfunding-Kampagnen und die Verkaufszahlen geben ihm recht. 

Das aktuelle Buch "More letters of note" ließ mich wegen einiger der prominenten Sprecher (z. B. Thees Uhlmann und Olli Dittrich) zur Hörbuchversion greifen. Ich konnte mir alle 50 Briefe gut anhören, mein Interesse wuchs aber merklich, wenn ich Verfasser oder Zusammenhang gut kannte. Daher sind meine Highlights:

  • Steve Albinis Brief an Nirvana. Mit diesem Brief empfahl er sich als Produzent für deren Album "In utereo". Allen Musikfans empfehle ich diesen Brief wärmstens. 
  • Marge Simpsons Brief an Barbara Bush, nachdem Bush die TV-Serie als "Schwachsinn" bezeichnet hatte. 
  • Che Guevaras Aufruf "Werdet gute Revolutionäre" an seine Kinder.
  • Richard Burtons Brief an Elisabeth Taylor gegen Ende ihrer ersten Ehe. 
  • David Bowies Reaktion auf den ersten Fan-Brief aus den USA.
  • Der Hilferuf eines Jungen an Ronald Reagan, nachdem die Mutter des Jungen dessen Zimmer zum Katastrophengebiet erklärt hatte. 
  • Einer von Jane Austens Briefen an ihre Schwester Cassandra. 
  • Eric Idles Gruß an den Premier John Major aus Anlass des gemeinsamen 50. Geburtstags der beiden. 

Dank der zu jedem Brief gesprochenen Einführung erhält der Hörer genug Hintergrundinformationen, um die Zusammenhänge zu verstehen. So gut wie jeder mindestens mittelprächtige informierte Mensch wird einige Briefe finden, mit denen er genug anfangen kann um gut unterhalten zu werden. Und der Rest liefert zumindest Einblicke in Welten, um die er sich vorher nie Gedanken gemacht hat. 

Sonntag, 7. Mai 2017

Musik: Kate Tempest - Let them beat chaos / Let them speak chaos





















Doppeltes Vergnügen. 

Im Rahmen des Record Store Days 2017 veröffentlichte Kate Tempest ihr tolles Album "Let them 

eat chaos" in einer neuen Version: Aufgeteilt auf eine schwarze und eine weiße LP wurde für "Let them speak chaos" das gesamte Album live a cappella "eingesprochen", während wenig überraschend das Gegenstück das Instrumental liefert. Wenn man "Let them eat chaos" kennt, funktionieren beide super und zeigen sogar neue Facetten. Tolle Idee, tolle Umsetzung.


Freitag, 5. Mai 2017

Musik: Life Of Agony - A place where there's no more pain

























Gelungenes Comeback. 

Life Of Agony hatte ich abgeschrieben. Die Kompromisslosigkeit des Debüt "River runs red" (1993) wich über "Ugly" und dem dritten Album "Soul searching sun" (1997) zurückhaltenderen Stimmungen. "Soul searching sun" hatte durchaus noch starke Songs zu bieten, jedoch wandte sich Sänger Keith Caputo nicht lange nach Veröffentlichung von dieser Art Musik ab. Life Of Agony versuchte es dann noch mit Whitfield Crane von Ugly Kid Joe und Eigengewächs Alan Robert aber die Auflösung der Band folgte 1999. Caputos Solo-Material überzeugte mich nicht. 

Zur Wiedervereinigung kam es bereits 2003 und das gefällige Album "Broken valley" erschien 2005. Das Label war enttäuscht von den Verkaufszahlen und sprang ab. Life Of Agony vegetierte noch etwas vor sich hin, Albumaufnahmen im Jahr 2011 scheiterten und die Band löste sich erneut auf. Im gleichen Jahr wurde öffentlich, dass Caputo transsexuell ist und fortan den Namen Mina tragen wird. 


Für mich überraschend erschien nun mit "A place where there's no more pain" das Album zum zweiten Comeback der Band. Das Cover sorgte dafür, dass meine Neugier meine Skepsis übertraf. Life Of Agony hat ein packendes Alternative-/Grunge-Album produziert, welches nicht ganz den Speed des Debüts erreicht aber in seiner Wuchtigkeit an Alice In Chains erinnert aber trotzdem klar für die Marke Life Of Agony steht. Der Titelsong, "Dead speak kindly", "World gone mad" und "Bag of bones" sind verdammt starke Songs. Ich erkenne viele Parallelen zu Body Count: Starkes Debüt Anfang der 90er Jahre, nach drei Alben Pause, halbgarer Versuch Mitte der 00er Jahre und nun wieder voll da. Ich verspüre Lust auf "harte" Musik wie lange nicht mehr. Danke, Life Of Agony!


Das Video zu "World gone mad":


Und das zum Titelsong:


Life Of Agony live in "River runs red"-Besetzung:
  • 29.05. Frankfurt
  • 16.08. Münster
  • 17.08. Dinkelsbühl (Festival)
  • 18.08. Essen (Festival)
  • 23.08. Leipzig
  • 24.08. Berlin
  • 25.08. Sulingen (Festival)

"A place where there's no more pain" ist:

Donnerstag, 4. Mai 2017

Musik: The Afghan Whigs - In spades

























Grunge? Alternative? Einfach Rock!

Die Afghan Whigs hätten mir schon immer gefallen können. Wegen ihres damaligen (und heutigen) Labels Sub Pop wurde die Band durchaus zum erweiterten Grunge-Kreis gezählt. Nicht nur durch ihre Herkunft (Ohio) waren die Herren um Greg Dulli eine Besonderheit auf Sub Pop. Für eine Grunge-Band waren die Soul-Einflüsse zu stark. Der große Durchbruch blieb der Band trotz des Wechsels zu Major Labels verwehrt. 2001 war dann "endgültig" Schluss. Eine kleine Reunion folgte fünf Jahre später, 2012 nahm die Band um Greg Dulli dann wieder Fahrt auf. Das Comeback-Album "Do the beast" im Jahr 2014 erschien wieder auf Sub Pop und brachte den Herren die bislang besten Chart-Platzierungen ein. "In spades" ist nun der zweite Wurf nach dem Comeback. 


Falls The Afghan Whigs mal "Alternative" waren, heute klingen sie nach sehr straightem Rock. Aber das tun sie überzeugend. "In spades" ist ein gutes Rock-Album. "Arabian heights" und "Copernicus" sind meine Lieblinge. 

Das Video zu "Demon in profile":


"Oriole":


The Afghan Whigs live:
  • 07.06. Berlin
  • 12.06. Hamburg
  • 13.06. Frankfurt
  • 08.08. München
"In spades" ist:

Mittwoch, 3. Mai 2017

Musik: Thurston Moore - Rock n roll consciousness
























Statt Sonic Youth. 

Mit knapp 50 Jahren könnte man meinen, Thurston Moore sei inzwischen zu alt, um mit einer Band namens Sonic Youth aufzutreten. Tatsächlich ist die Auszeit der Band aber auf die Trennung von seiner Frau und Bandmitglied Kim Gordon im Jahr 2011 zurückzuführen. So langsam müssen auch hartgesottene Fans die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung der Alternative-Ikonen aufgeben. Kommerziell war die Band nie so erfolgreich, wie sie andere Musiker und Kritiker gerne gesehen hätten. Aber so kann sich die New Yorker Band zumindest ihres uneingeschränkten Indie- und Kult-Status' erfreuen. 

Bereits im Jahr der Trennung veröffentlichte Thurston Moore sein drittes Solo-Album, mit "Rock n roll consciousness" folgte nun bereits sein fünftes Werk in dieser Reihe. Alternative, Noise und Post-Rock... unterstützt von Sonic Youth-Drummer Steve Shelley, James Sedwards und Debbie Googe (My Bloody Valentine) klingt Moore auf diesem Album weitaus mehr nach seiner ehemaligen Hauptband als nach den Experimenten, vor denen er ansonsten nicht zurückschreckt. Sein Gitarrenspiel und Shelleys Drums lassen auch die ungewöhnlich langen Songs (drei Titel mit acht - zwölf Minuten und keiner unter sechs Minuten) nie langweilig werden. Der Hit ist "Smoke of dreams", das Album insgesamt gelungen und ein schöner Beweis dafür, dass Indie in Würde altern und reifen kann. 

Das Video zu "Smoke of dreams":


Thurston Moore live mit Band:
  • 20.06. Hamburg
  • 21.06. Köln
  • 30.06. München
  • 04.07. Dresden
"Rock n roll consciousness" ist:

Dienstag, 2. Mai 2017

Film: Guardians Of The Galaxy - Vol. 2

























Erneut erfrischend... und witzig. 

"Guardians Of The Galaxy" gefiel mir vor zwei Jahren so gut, dass ich ihn in Vorfreude auf den zweiten Teil erneut anschaute. Und wie damals freue ich mich über den frischen Wind, den auch der zweite Teil durch das Marvel-Universum bläst. Der Film ist genretypisch actionreich, in Dialogen und auch schon kleinsten Gesten sehr witzig und die stellenweise geäußerte Kritik an der schwachen Handlung ist Unfug. Der Zuschauer erfährt etwas über die Vergangenheit zweier Protagonisten und mit etwas gutem Willen könnte man sogar eine ernsthafte Betrachtung der Aspekte "Familie" und "Loyalität" erkennen. 

Doch das alles ist egal wegen der sympathischen Charaktere. Das Ensemble wirkt ähnlich gut eingespielt wie die "How I met your mother"-Crew in den Hochzeiten der Serie. Drax und Rocket leben in ihrer Welt, Yondu entwickelt sich zum wichtigen Helfer und alle werden vom unfassbar süßen Groot in den Schatten gestellt. Da brachte Disney seine Kernkompetenz in der Nutzung des Kindchenschemas skrupellos zur Erzeugung maximalen Wohlempfindens beim Zuschauer ein. 

Sehenswert. 

Montag, 1. Mai 2017

Vorhören: Ásgeir - Afterglow

Das heutige Wetter macht Lust auf die Musik eines isländischen Singer/Songwriters. Gut, dass es gerade Ásgeirs neues Album "Afterglow" als Stream gibt.