Die besten Geschichten schreibt das Leben. Und ich schreibe mit.

Sonntag, 22. Oktober 2017

Buch: Asterix in Italien
























Etwas überhastet. 

Exakt zwei Jahre nach "Der Papyrus des Cäsar" und vier Jahre nach "Asterix bei den Pikten" erscheint das dritte Band seit dem "Reboot" der Reihe mit neuem Zeichner und Texter. Offensichtlich sind zwei Jahre den Zeitraum, den sich die Verantwortlichen für neue Abenteuer meiner Lieblings-Gallier gegeben haben. 

"Asterix bei den Pikten" war ein solider Einstieg, "Der Papyrus des Cäsar" bot eine recht überzeugende Story und viele Anspielungen auf aktuelle Themen. Meine Erwartungen an "Asterix in Italien" waren hoch.

In diesem Band wird ein Pferdewagenrennen durch Italien veranstaltet, um die Qualität der dortigen Straßen zu feiern bzw. über deren schlechten Zustand hinwegzutäuschen. Teilnehmen dürfen sowohl Bürger Roms als auch "Barbaren". Mit einem Rennen (siehe "Tour de France") und fremden Völkern (Goten, Germanen, diverse "Osteuropäer", Engländern, Portugiesen) wählten die Macher sichere Erfolgsfaktoren für Asterix-Geschichten. Auftritte prominenter Zeitgenossen (u. a. Anspielungen auf Michael Schumacher und Alain Prost) fehlen auch nicht. 

Es ist sicherlich zeitgemäß, dass die neuen Asterix-Erzählungen einem flotteren Erzähltempo folgen. Doch bei "Asterix in Italien" wird es m. E. sowohl bei der Schilderung der Etappen und Vorkommnisse des Rennens als auch bei der begrenzten Reichweite der zahlreichen Gags (die Pointe folgt häufig bereits im nächsten Bild) übertrieben. Etwas mehr Raum für die die Teilnehmer des Rennens uns ihre Eigenheiten hätte der Geschichte gut getan. So bleibt bei mir ein recht fader Beigeschmack und der Eindruck, als müsste die Asterix-Maschine verlässlich alle zwei Jahre neu befeuert werden und qualitative Aspekte gerieten dabei in den Hintergrund. In Erinnerung werden mir vor allem die lächerliche Maske des römischen Fahrers und die Lusitanier bleiben, die bereits zum Start des Rennens als heimliche Sieger feststanden. 

Deutsche Leser finden zahlreiche Anspielungen auf bekannte Stereotype. Die Macher Ferri und Conrad brüsteten sich damit, dass der Humor der Originalausgabe stellenweise kaum übersetzbar sei. Mir scheint Übersetzer Klaus Jöken hat einen tollen Job gemacht. 

Die Macher Conrad und Ferri

Samstag, 21. Oktober 2017

Doppelkuh

a) Innige Zuneigung?
b) Dicker Kopf vom Vorabend?
c) Belgischer Kreisel?


Freitag, 20. Oktober 2017

Welcome back: Fever Ray - To the moon and back

Auf ihrem Solo-Debüt klang Karin Dreijer Andersson aks Fever Ray recht düster. Musikalisch erinnert ihr Comeback-Song "To the moon and back" nun eher an die Dance-Titel ihrer Band The Knife. Dafür ist das Video wieder schön düster geraten:

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Musik: The Surfing Magazines - The surfing magazines
























Stellenweise so cool und trocken wie ein Tarantino-Film.

Für The Surfing Magazines haben sich Mitglieder von The Wave Pictures und Slow Club zusammengetan. Das gleichnamige Debüt der Londoner Band klingt so, als hätten sich Freunde zu einer Jam-Session im Keller verschanzt, nachdem sie einen Tarantino-Film geschaut hatten. 

Surf Rock ist mir meist zu "retro" und klischeebeladen. Doch bereits nach wenigen Titeln hatten mich The Surfing Magazines konditioniert und mit jedem Durchlauf konnte ich dem Album mehr abgewinnen. Lässig und trocken fühlte ich mich gut unterhalten, nicht selten an die Arctic Monkeys erinnert und wirklich auch merklich in meiner Stimmung beeinflusst. Ich stelle mich mir gerade mit Zigarette im Mundwinkel und Surfbrett unter dem Arm vor. Vielleicht müsste ich das Album über die Zuglautsprecher laufen lassen, damit die anderen Passagiere hier im ICE mir beides durchgehen lassen würden. Aber spätestens nach den Titeln "Peeping dom" (ich empfehle hier tatsächlich einen Instrumental-Titel), "New day", "Goose feather bed", "Lines and shadows" und "A fran escaped" hätten die Herren und die beiden Damen hier im Wagen sicherlich Verständnis für mein Benehmen.

Das Video zu "New day":


"Lines and shadows":

"The surfing magazines" ist:

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Spätsommer in Berlin

Üblicherweise wären der späte Oktober oder gar der November nicht meine bevorzugten Zeiträume für einen Besuch in Berlin. Doch diese Woche meinte das Wetter es gut mit mir.






Und dann war sogar noch ein Besuch bei einem meiner liebsten Schokoladen-Lieferanten drin.






Verraten und verkauft

Verständnislos blicke ich häufig auf Fußball-Fans die sich persönlich beleidigt fühlen, wenn "deren" Verein schlecht spielt. Die Verbundenheit zu dem jeweiligen Verein geht bekanntlich meist auf eine jugendliche Prägungsphase zurück. So war es auch bei mir und der Band, die nun so etwas macht. 

Seit heute kann ich die besagten Fußball-Fans besser verstehen. Ich habe noch einen Stapel T-Shirts der Band, so aus der Zeit ab 1991. Ich überlege, einen kleinen Stand am Kai einzurichten...  

Dienstag, 17. Oktober 2017

Musik: Kakkmaddafakka - Hus
























Souveräner Indiepoprock. 

Die norwegische Indiepop-Band mit dem einprägsamen Namen legt ihr fünftes Album vor. Weiterhin wehren sich die Herren mit freudigem Indiepop gegen die depressive Stimmung, die man Menschen ihrer Heimatstadt Bergen unterstellen muss. Mit ihrem vierten Album gehen Kakkmaddafakka noch einen Schritt weiter in ihrer Unabhängigkeit, indem sie das Album komplett alleine aufnahmen. Während auf "Six months is a long time" im Jahr 2013 noch die Indiepop-Klänge überwogen, schlich sich mit "KMF" im letzten Jahr ein größerer Indierock-Anteil ein. Dieser gewinnt auch auf "Hus" noch etwas mehr an Bedeutung. So liefern die Norweger ein nettes Indiepoprock-Album mit stellenwiese nachdenklichen Texten. Wirklich prägnante Momente fehlen leider, aber Titel wie "Holding me back", "Don Juan", "Summer melancholy" und "Hillside" fügen sich nahtlos in das recht homogene Gesamtwerk der Band ein. 

Das Cover zeigt das Haus, in welchem die zehn Songs entstanden. Und ein Albumtitel war auf diese Weise auch schnell gefunden.

Das Video zu "Neighbourhood":


"All I want to hear (ÅÅÅ)":


Kakkmaddafakka wird 2018 fleißig durch Deutschland touren:
  • 17.01. Marburg
  • 18.01. Stuttgart
  • 19.01. München
  • 30.01. Münster
  • 31.01. Hamburg
  • 01.02. Hannover
  • 02.02. Berlin
  • 03.02. Köln
  • 06.02. Erlangen
  • 07.02. Heidelberg
  • 09.02. Wiesbaden
  • 10.02. Leipzig
"Hus" ist:

Montag, 16. Oktober 2017

Schafe im Nebel

Da kommt der Herbst.


Sonntag, 15. Oktober 2017

Konzert: Sigur Rós in der Jahrhunderthalle in Frankfurt, 14.10.2017


Zwischen Uhrmacherwerkzeug und Dampfhammer.

Sigur Rós hatte ich bereits 2003 gesehen, damals konnte ich dem Konzert aber nicht viel abgewinnen. Damals kamen die von mir geliebten Ausbrüche der Band einfach zu kurz. Bei der aktuellen Tour zeigen sie die Urgewalt, welche die Isländer entfachen können. 


Zum Konzertbeginn gegen 20.30 Uhr hatte sich das bunt gemischte  und angenehme Publikum in der ausverkauften Jahrhunderthalle eingefunden, auf eine Vorgruppe wurde verzichtet. Sie hätte es bei dem Hauptakt und den Erwartungen an ihn auch schwer gehabt. 

Sigur Rós trat mit den beiden Gründungsmitgliedern Jón Þór „Jónsi“ Birgisson und Georg „Goggi“ Hólm sowie dem 1999 hinzugestoßenen Schlagzeuger Orri Páll Dýrason an. Der Beginn des Konzerts war noch recht zurückhaltend, die zunehmende Spannung ließ die Bühne aber irgendwann vergleichsweise klein erscheinen. 


Der Auftritt war aufgeteilt in zwei Sets, die durch eine ca. 25 minütige Umbaupause unterbrochen wurde. Diese Unterbrechung war der Stimmung etwas abträglich, aber vielleicht benötigen die Musiker nach ihrer Energieleistung (Jónsi gibt einfach alles und der Job des Schlagzeugers war auch ein Kraftakt) auch einfach etwas Zeit zum Durchatmen. 



Nach der Umbaupause spielten die drei Musiker "Óveður" hinter der im ersten Set begrenzenden LCD-Wand, die sich dann aber hob und den Blick auf die größere Bühne freigab. Die starke Auswahl der Titel des zweiten Sets benötigte auch diesen zusätzlichen Platz. 


Die Setlist bestand aus einer Mischung von Songs fast aller Alben, der Schwerpunkt lag mit vier Songs auf dem Album "()" (eben dem Album, welches die Band 2003 promotete). Die vier dargebotenen neuen Titel fügten sich nahtlos ins Set ein. 


Set 1

  • Á
  • Ekki Múkk
  • Glósóli
  • E-Bow
  • Dauðalagið
  • Fljótavík
  • Niður
  • Varða

Set 2

  • Óveður
  • Sæglópur
  • Ný Batterí
  • Vaka
  • Festival
  • Kveikur
  • Popplagið

Zugabe: Unnötig, mit Popplagið war alles gesagt. Auf Ansprachen wurde während des Konzert bis auf zwei kurze Statements auf isländisch verzichtet. Dafür wirkten die drei Musiker nach dem Set aber sehr gelöst und sympathisch. 


Die Dynamik der Band zwischen fragilen Elementen und den bereits erwähnten Ausbrüchen ist in dieser Spannbreite einzigartig. Gestern überzeugte mich Sigur Rós auch als Live-Band. Ich erlebte ein tolles Konzert, welches mir Lust machte, mir mal wieder das Gesamtwerk anzuhören. 


Samstag, 14. Oktober 2017

Musik: William Patrick Corgan - Ogilala
























Eine Wiederauferstehung.

Dem Erfolg der 90er Jahre der Smashing Pumpkins lief Billy Corgan schon lange hinterher. Seine musikalischen Aktivitäten (ich spreche nicht einmal von seinem Wrestling-Kram) wirkten irgendwann so ziellos und verzweifelt, dass ich mir schon Sorgen um eines der Idole meiner musikalischen Prägungsphase machte. 


Doch dann wurde aus dem Smashing Pumpkins-Mastermind Billy Corgan der Solo-Musiker William Patrick Corgan. Unter den Fittichen von Rick Rubin entstand ein reduziertes Singer/Songwriter-Album. Was bei Johnny Cash klappte, scheint auch für Corgan ein Jungbrunnen zu sein. Zu Smashing Pumpkins-Zeiten waren die ruhigen Titel für mich eher Zeiträume zum Luft holen zwischen den Gitarren-getriebenen Hits. 


Auf Corgans zweitem Soloalbum "Ogilala" gibt es nur ruhige Songs, aber viele wissen mich zu überzeugen, allen voran "Aeronaut" aber auch "The Spaniards", "The long goodbye" und "Archer". Ein paar Streicher, ein Piano, Corgans Stimme und einige schöne Melodien... mehr braucht es nicht, um mich wieder an ihn und seine musikalischen Fähigkeiten glauben zu lassen. 

Das Album ist auch der Soundtrack zum Stummfilm "Pillbox", der im Oktober in vier Kinos präsentiert wurde. 

Das Video zu "The Spaniards":


"Aeronaut":





"Ogilala" klingt nach:

Freitag, 13. Oktober 2017

Musik: St. Vincent - Masseduction
























Aus Indierock wird Electropop. 

Es ist schwer nachvollziehbar, dass Annie Clark als St. Vincent trotz ihrer Wandlungsfähigkeit und Vielseitigkeit bereits seit zehn Jahren Alben veröffentlicht, ohne den großen Durchbruch zu schaffen. Vielleicht macht sie es ihren und potentiellen Fans einfach schwer, sie ins Herz zu schließen. Und wenn man das Cover ihres fünften Albums "Masseduction" betrachtet könnte man den Eindruck gewinnen, als sei ihr die tatsächliche Zuneigung ihrer Zuhörer auch gar nicht so wichtig. Es wird sich zeigen, ob sich ihre neuen Songs zur Verführung von Massen eignen. 

Nach ihren drei ersten Alben hatte ich St. Vincent als passable Indierockerin eingeordnet. Doch dann kam mit "Love this giant" die Zusammenarbeit mit David Byrne. Die beiden teilten offensichtlich nicht nur die gleiche Heimatstadt New York sondern hatten auch merklich Spaß daran, gemeinsam tolle Songs zu erschaffen. Diese Zusammenarbeit wirkte sich auch auf das nachfolgende Solo-Werk "St. Vincent" aus. Ihre beeindruckenden Fähigkeiten an der Gitarre rückte Anne Clark in den Hintergrund. Gekonnt und auch damals schon mit einem ironischen Unterton jonglierte sie mit neuen musikalischen Einflüssen. 

Mit "Masseduction" treibt sie diese Entwicklung nun auf die Spitze: Das ehemalige Polyphonic Spree-Mitglied zerhäckselt alle Erwartungen und fügt sie mit Electro und Pop wieder zusammen. Sie sammelte während ihrer letzten Tour und über eine lange Zeit Text- und Soundschnipsel als Ideen und entsprechend Collagen-artig ist das Album geworden. Einige Gäste (z. B. Kamasi Washington  am Sax) sorgten für zusätzliche Facetten.

So beeindruckend ich die Idee und Teile der Umsetzung finde, mit fehlt auf "Masseduction" ein roter Faden und echte Hits. "Sugarboy", "Los Ageless" und "Smoking section" gefallen mir trotzdem und wenn mich auch das Album nicht umhaut, mag ich St. Vincent nun noch lieber.

"St. Vincent" wurde mit einem Grammy in der Kategorie "Best Alternative Music Album" ausgezeichnet. "Alternative" oder "Indie" ist Annie Clark weiterhin, aber in einer sehr poppigen Variante. 

Das bunte Video zu "Los ageless":

"New York":

Am 26.10. wird St. Vincent in Berlin auftreten. Den Gig im Rahmen ihrer letzten Tour fand ich sehr erfrischend. Ich kann mir vorstellen, dass sie das Konzept des aktuellen Albums bei ihren anstehenden Auftritten eindrucksvoll in Szene setzt.  

"Masseduction" ist:

Bahndeutsch

"Die Streckensperrung ist weiterhin in Betrieb."

Fallen den Sprechern diese Formulierungen spontan ein oder gibt es da einen Generator, der wahllos Worte mischt?

Bbit

"Best burgers in town" ist wirklich ausgeluscht.

Aber in voller Überzeugung: Die besten Burger Ulms gibt es aktuell bei Ronnie Biggs.



Und als Ergänzung dazu: Sobald diese Herren beim Karaoke im Irish Pub das Mikro ergreifen... die Burger waren toll.



Und nein, entgegen aller Erwartungen sang er nicht "Mambo  # 5".

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Musik: My Sad Captains - Sun bridge

























Schmeichelnde Melodien und Stimmungen. 

Wegen der musikalischen Leisetreterei als gemeinsamen Nenner könnte man eine Verbindung zwischen My Sad Captains und dem gleichnamigen Elbow-Song vermuten. Da die Band aus London aber ca. zehn Jahre vor Veröffentlichung des Songs gegründet wurde, ist zumindest aus dieser Richtung eine Inspiration ausgeschlossen. Zumal ich My Sad Captains nicht unterstellen würde, dass sie mit ihrer Musik weit in die Zukunft blicken.

Statt dessen mischen sie auf ihrem vierten Lonplayer mit Synthpop, Slowcore/Dreampop und Indierock bewährte Elemente in annähernd gleichen Teilen. Das Ergebnis klingt entsprechend ausgewogen aber es erhebt keinen Anspruch auf Innovation. Der Titel des Song "Destination memory" beschreibt treffend die Mission der Band: Poppige Melodien und sphärische Momente voller Wohlgefühl sollen sich in das Gedächtnis und bestimmt auch in das Herz der Hörer einbrennen.

Mit den Songs "Everything at the end of everything", "Destination memory", "Don't listen to your heart", "None in a Million" und "Relive" gelingt das der Band zumindest ansatzweise bei mir. Über die gesamte Spieldauer ist "Sun bridge" zwar etwas harmlos geraten, aber bei jedem Durchgang entdeckte ich neue schmeichelnde Facetten. Außerdem ist das Cover-Motiv toll und eine passende Darstellung der musikalischen Stimmung des Albums.

Bei der Produktion unterstützte Jeff Zeigler, dessen Erfahrungen mit Kurt Vile, The War On Drugs und A Sunny Day In Glasgow durchscheinen.

Das Video zu "Everything at the end of everything":


"Sun bridge" ist:

Dienstag, 10. Oktober 2017

Rentensongs

Nein, es handelt sich nicht um Songs für Rentner sondern um solche, die ihren eigenen Ruhestand redlich verdient hätten. Schöne Auflistung von NPRs "All songs considered", auch als Podcast:

Montag, 9. Oktober 2017

Die Untiefen des Musik-Streamings

Das könnte eine Reihe werden...

Es ist verlockend und gefährlich, im Musikstreaming-Portal seines Vertrauens einfach mal nach Liedern zu suchen, die einem aus nicht nachvollziehbaren Gründen in den Sinn kommen. 

Der "Hit" und Titelsong dieses Albums lockte mich an und dabei entdeckte ich dann solche Perlen wie den "Arbetlose-Marsch" vom Zupfgeigenhansl, "ABVV-mars" vom Bundschuhchor Oldenburg und "Brüder, zur Sonne, zur Freiheit" von Hein und Oss Kröher. 

Unabhängig von ideologischen Inhalten: Wie geil kann die Party sein, wenn das der Soundtrack ist?

Sonntag, 8. Oktober 2017

Musik: Tom Adams - Silence
























Traumhaft.

Während seiner Konzerte gibt Nils Frahm offenbar interessierten Zuhörern die Chance, ihn am Klavier zu begleiten. Auf diese Weise kam Tom Adams auf die Bühne. Das Ergebnis gefiel Frahms Manager so gut, dass er ihm zu einem Plattenvertrag verhalf. Adams' Debüt-Album "Silence" erschien bereits vor knapp einem halben Jahr, aber erst jetzt hörte ich es mir an und ich war auf Anhieb begeistert. Das liegt vor allem an den himmlischen Songs "Tides" und "Sparks". Mit zerbrechlicher Kopfstimme und überwiegend fragilen Arrangements zaubert der Wahlberliner Klanglandschaften und kleine Perlen, wie man man sie von Scott Matthew, Jónsi und Jon Hopkins kennt. "Silence" ist eine recht homogene Aufnahme, "Falling with you" fällt wegen seines Indie-Touchs auf. 

Aufgewachsen ist Tom Adams in Cambridge. Schon früh wurde er an das Piano herangeführt, erst später entdeckte er auch die Gitarre. Dieses Album wurde angeblich innerhalb weniger Stunden aufgenommen. Ich bin gespannt was der Herr zaubert, wenn man ihm noch mehr Raum und Zeit einräumt. Bereits 2014 komponierte er den Soundtrack zum Film "The knife that killed me" und erstellte einen Remix für Max Richters "Berlin by overnight".

Das Video zu "Come on, dreamer":


Und das zu "Time":


Am 04.12. wird Tom Adams im Berliner Pfeffertheater auftreten.

"Silence" ist:

Samstag, 7. Oktober 2017

Film: Blade Runner 2049
























Langatmig

Ich beginne mit den positiven Aspekten: Die Stimmung des ersten Blade Runner-Films hat Denis Villeneuve gut auf die 30 Jahre später handelnde Fortsetzung übertragen (von wegen Erderwärmung, draußen regnet es fast ständig und Ryan Gosling benötigte auch ständig seinen dicken Mantel) und die hochkarätigen Schauspieler wissen durchaus zu überzeugen.


Schade ist allerdings, dass in den ca. 2,5 Stunden gar nicht mal so viel passiert und schon gar nicht genug für diese Spieldauer. Warum dieser Film in 3D produziert wurde ist mir ein Rätsel. Die höheren Ticketpreise rechtfertigen vielleicht aus Produktionssicht den Aufwand, aber da nur wenige Szenen die Tiefe dies Raumes ausnutzen ist es schade um die zusätzliche Last auf der Nase. Negativ fielen mir zusätzlich  die Szenen mit viel Hall in den großen, weitgehend leeren Räumen auf. Es war stellenweise schon arg anstrengend den Gesprächen dort zu folgen. Es würde mich interessieren, ob dieser Effekt auch in der Originalversion so ungeschickt eingesetzt wurde. 

Die Story an sich in nicht doof, aber wie gesagt... zu wenig für 2,5 h. 

Kleiner Spoiler:

Ich erkenne ein Muster: In den Filmen, in den Harrison Ford eine alte Rollte wieder aufnimmt, geht es anscheinend immer um seine (vermeintlichen) Söhne. Siehe Star Wars und Indiana Jones. 

Freitag, 6. Oktober 2017

30 Jahre in drei Kurzfilmen

Zwischen den beiden "Blade Runner"-Filmen sind 30 Jahre zu überbrücken. Dazu hat Regisseur Denis Vielleneuve drei Kurzfilme "authorisiert". 


"2036: Nexus dawn" (mit Jared Leto)


Nun fühle ich mich gut vorbereitet für den tatsächlichen Film. 

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Früher liefen solche Sachen im Musikfernsehen: The Shins - Cherry hearts

Das aktuelle The Shins-Album "Heartworms" erschien im Frühjahr, nun gibt es das zuckersüße Video zum zuckersüßen Song "Cherry hearts":

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Konzert: Kafka Tamura im Roxy in Ulm, 27.09.2017


Warm laufen für die Tour und ein früher Appetizer für das neue Album. 

Kafka Tamuras Debüt "Nothing to everyone" gefiel mir 2015 richtig gut, da freut es mich, dass ich die Band nun in Ulm live sehen konnte. In der Vorbereitung auf dieses Konzert gewannen einige der Songs sogar noch etwas bei mir. Schön, dass die Band alle Songs ihres Debüts spielte und noch dazu mit einigen neuen Titeln auftrumpfen konnte. So konnte die vierköpfige Band um Emma Bradshaw und Gabriel Häuser ein gut einstündiges Programm darbieten. 


Sobald die Sängerin Emma die Gitarre umlegte war dies (bis auf "Month of May") ein sicheres Zeichen für einen neuen Song. Diese klangen durchweg einen Tick düsterer und weniger fragil als das Debüt. Die Unterschiede zwischen "alten" und neuen Titeln waren offenkundig und sie machen mir Lust auf das neue Werk. In den nächsten Monaten werden noch einige Songs einzeln veröffentlicht, bevor dann endlich das zweite Album auf dem Markt kommen soll. 


Das Roxy war wie immer eine äußerst angenehme Konzert-Lokation, ein paar Zuschauer mehr hätte ich der Band und dem Roxy aber schon gegönnt. 

Nach einem recht ausführlichen Intro erfreute mich die Band mit diesen Songs:

  • Nothing to everyone
  • Lullabies
  • "Neuer Song"
  • Month of May  (neuer Song)
  • Bloodstains
  • Somewhere else
  • "Neuer Song"
  • Bones
  • Bruises
  • Feral child
  • Take me home
  • Find me well (neuer Song, aktuelle Single)
  • Liar
  • "Neuer Song"
  • 1.000 (neuer Song)
  • No hope (Zugabe)

Der Auftritt in Ulm war einer der ersten Termine der aktuellen "Find me well"-Tour. So ein wenig fühlte sich das noch alles nach Generalprobe an. Aktuell stehen diese Konzerte noch an:
  • 08.10. Regensburg
  • 10.10. Nürnberg
  • 11.10. Dresden
  • 12.10. Leipzig
  • 13.10. Stuttgart
  • 14.10. München
  • 15.10. Berlin

Dienstag, 3. Oktober 2017

Früher liefen solche Sachen im Musikfernsehen: St. Vincent - Los Ageless

Die Auskopplung "New York" konnte mich nicht überzeugen, "Los Ageless" macht mir nun etwas mehr Lust auf St. Vincents neues Album:

Montag, 2. Oktober 2017

Musik: Torres - Three futures
























Drei Wege zum gleichen Ziel.

Die unterschwellige Grundstimmung ihrer Musik legte die Amerikanerin Mackenzie Scott aka Torres bereits mit Anfang 20 und ihrem ersten Album fest. Auf dem Nachfolger "Sprinter" erinnerten die Gitarren und ihr Gesang stellenweise stark an den Alternative Rock der 90er Jahre. Nun, zwei Jahre später, setzt sie verstärkt auf Electro und Synthies, aber die Variationen der "Werkzeuge" ändert wenig an der Wirkung der Songs. Metacritic belohnt diese Tatsache mit einer auf relativ hohem Niveau konstanten Wertung von 81 von 100 Punkten. Mit ihren 26 Jahren hat Torres bereits einige Facetten gezeigt, ich erwarte von ihr in der Zukunft durchaus noch die eine oder andere überraschende Weiterentwicklung. 

Wie bereits "Sprinter" wurde auch "Three futures" von Rob Ellis (u.a. PJ Harvey, Bat For Lashes) produziert. Der Vergleich zu PJ Harvey drängt sich für die aktuelle Platte "Three futures" nicht mehr auf (abgesehen vom Song "Helen in the woods"), wegen Scotts Stimme fühle ich mich aber erneut während einiger Passagen an St. Vincent erinnert.

Der Opener "Tongue slap your brains out" kommt aus der Tiefe der (Klang-)Raums bevor die Gitarren die Spannung auflösen, "Skim" ergänzt dieses kraftvolle Kombination noch durch poppige Einwürfe. Diese luftige Leichtigkeit zelebriert der nächste Höhepunkt "Righteous woman". Der Hit des Albums ist "Helen in the woods", der es auf Anhieb auf meine Longlist der Songs 2017 schaffte:



Der Titelsong:


Torres live:
  • 13.11. Köln
  • 14.11. Hamburg
  • 15.11. Berlin
  • 16.11. München
"Three futures" ist:

Sonntag, 1. Oktober 2017

Politsch korrekt einkaufen

Gestern beim Bäcker: "Und dann noch dieses... äh... nennt man den 'Amerikaner' noch 'Amerikaner'?"
"Ja, klar, warum denn nicht?"
"Ja wegen Trump und so..."

Samstag, 30. September 2017

Musik: Sløtface - Try not to freak out
























Kraftvoll und frech.

In der ersten Jahren hieß die Band Slutface. In der norwegischen Heimat stellte der Name kein Problem dar, selbst Förderungen des norwegischen Staates für Auftritte in Schulen stand er nicht im Weg. Erst mit dem Erfolg über die Heimat hinaus wurde es problematisch. Seitdem heißt die Band Sløtface. Dieser Name würde mich eher abschrecken, könnte man dich eine skandinavische Death Metal-Band dahinter vermuten. 

Tatsächlich legt die Band mit ihrem Debüt "Try not to freak out" aber einen poppigen Punk Rock-Entwurf vor: Kraftvoll, frech und nie zu krachig. Und die Sängerin Haley Shea hat ihre Stimme stets unter Kontrolle und mit dieser beherrscht sie das Geschehen. 

"Galaxies", "Pools", "Night guilt" und "Nancy drew" sind meine Empfehlungen für dieses hoffnungsvolle Debüt der Band aus Stavanger. 

Das Video zu "Pitted":


"Nancy drew":


"Try not to freak out" ist:

Freitag, 29. September 2017

Musik: Alvvays - Antisocialites
























Als würde der Sommer niemals enden. 

Ein Tick melancholischer aber noch immer wie ein lauer Sommerabend klingt die kanadische Band Alvvays auch auf ihrem zweiten Album. Auf dem Debüt der Band um Molly Rankin erschien die Mischung aus Indierock, -pop und Surf Pop etwas frischer und die drei hervorstechenden Titel konnten mich mehr überzeugen als die Höhepunkte auf "Antisocialites" ("Dreams tonite", "Your type" und "Saved by a waif"). Trotzdem ist "Antisocialites" ein ausgesprochen kurzweiliges (nicht nur wegen der Spielzeit von knapp über 30 Minuten) Album.

Das Video zu "In undertow":


"Plimsoll punks":


Alvvays live:
  • 12.09. Köln
  • 13.09. Hamburg
  • 14.09. Berlin
"Antisocialites" ist: