Die besten Geschichten schreibt das Leben. Und ich schreibe mit.

Donnerstag, 27. April 2017

Musik: BNQT - Volume 1

























Sänger-Contest vor Midlake-Hintergrund. 

"Supergroup" - diese Bezeichnung soll allein schon durch die Kombination potentiell angesprochener Fan-Gruppen für Aufmerksamkeit und Verkaufszahlen sorgen. Nun hatte ich gar nicht auf dem Schirm, dass es sich bei BNQT um eine solche Gruppe handelt. Im Gegenteil erwartete ich wegen des Namens und des Albumtitels beim unbedarften Anklicken eher eine blutarme Electro-Compilation. 

Schon der Opener lehrte mich, dass ich mit meiner Vermutung falsch lag. Der vierte Song klang dann nach Fran Healy von Travis und der nächste Titel nach Alex Kapranos von Franz Ferdinand. Da wurde ich dann aufmerksam und siehe da, BNQT vereint tatsächlich diese beiden Sänger mit Ben Bridwell (Band Of Horses), Jason Lytle (Grandaddy) und Eric Pulido von Midlake. Die Rest wird ebenfalls von Midlake gestellt. Eigentlich handelt es sich also um Midlake erweitert um vier Gastsänger, die friedlich das Mikro kreisen lassen. Das Projekt hat einen Namen, der noch sperriger klingt als "Supergroup". Ausgesprochen möchte er als "Banquet" werden. 

Mit "Mind of a man" (Healy), "Hey banana" (Kapranos) und "Fighting the world" (Kapranos) gelingen der Band drei richtig starke Titel. Kapranos steht damit als Gewinner des Sänger-Contests fest. Anscheinend passt er ideal zu Midlakes Melodieverliebtheit. Die Suche nach verführerischen Melodien scheint auch die Mission des Projekts zu sein. In den rockigen Abschnitten klingt "Volume 1" allerdings manchmal einen Tick zu sehr nach Supertramp in deren weniger inspirierten Phasen. Wegen der Abwechslung durch die Sängerschar ist das Album aber auf jeden Fall hörenswert. 

"Mind of a man":

"Hey banana":

"Volume 1" klingt nach:

Mittwoch, 26. April 2017

Musik: Maxïmo Park - Risk to exist

























Solide. 

Konstant zeigt sich Maxïmo Park in vielerlei Hinsicht: Alben erscheinen seit dem hochgelobten "A certain trigger" aus 2005 im Abstand von zwei bis drei Jahren und bis auf den Bassisten Archis Tiku sind noch alle Gründungsmitglieder an Bord. Schon seit einigen Jahren wurde er live von Paul Rafferty vertreten und nun übernahm dieser den Job komplett. 

Auch musikalisch bringt das sechste Album "Risk to exist" wenig Überraschungen. Paul Smith' Stimme ist prägend wie immer, die Gitarren sind zwar nicht mehr gar so knallig wie zu Beginn der Karriere, Pop und Melodien spielen dafür eine größere Rolle. Tolle Songs sind mit "Get high (No, I don't)", "What equals love?", "The hero", "The reason I am here" und "Alchemy" in stattlicher Anzahl enthalten. 

Zwei Änderungen hat die Band aber dennoch zu bieten: Die Texte sind politischer geworden und mit Mimi Parker von Low darf gleich auf fünf Songs eine Gastsängerin eine weiter Facette beisteuern. "Risk to exist" ist ein nostalgischer Trip in die Zeit der britischen Indierock-Bands aus der Zeit Mitte der "Nuller"-Jahre und als solcher alle zwei bis drei Jahre willkommen.  

Das Video zu "Get high (No, I don't)":


"Risk to exist":


Maxïmo Park live:
  • 24.06. Scheeßel (Hurricane Festival)
  • 25.06. Tuttlingen (Southside Festival)
  • 25.09. Köln
  • 28.09. München
  • 29.09. Berlin
  • 30.09. Wiesbaden
  • 01.10. Münster
"Risk to exist" ist:

Dienstag, 25. April 2017

Film: Arrival

























Spannung durch die Hintertür.

"Contact" meets "ID4" meets "Signs", ein wenig "Inception" ist auch dabei und die Szenen mit den Aliens könnten aus einem Tool-Video stammen. Toll. 

Zwölf UFOs erscheinen an verschiedenen Positionen der Erde und es gilt, mit den Aliens Kontakt aufzunehmen, um ihre Absichten zu ergründen. Mit Amy Adams ist die Rolle der Protagonistin hervorragend besetzt. Jeremy Renner ist für mich zu sehr Hawkeye, als dass ich ihm den Wissenschaftler abkaufen würde. Dafür glänzt Forest Whitaker als Vertreter des Militärs. 

Regisseur Denis Villeneuve ist mit "Arrival" ein Sci-Fi-Film gelungen, der selbst Genre-Skeptikern zugänglich sein könnte. Ohne großes Spektakel erzeugt der Film eine Spannung, die mich fast durchgängig fesselte. Jetzt freue ich mich auf den nächsten Villeneuve-Film, der noch dieses Jahr im Kino erscheinen wird: Bladerunner 2049. 

Montag, 24. April 2017

Konzert aus der Konserve: alt-J - Tiny desk concert

Konzerte an Bob Boilens Schreibtisch sind fast immer sehenswert. Und manchmal ein "Muss". So ein bei alt-J, die mit diesen Songs auftraten:
  • 3WW
  • In cold blood
  • Warm foothills
  • Taro
Dort und hier:

Sonntag, 23. April 2017

Buch: George Orwell - Nineteen eighty-four

























Beängstigend aktuell.

Zum Welttag des Buches stelle ich ein Buch vor, welches erstmals 1949 veröffentlicht wurde. Warum ich (erst) jetzt auf die Idee komme?

  • Irgendwie dachte ich, schon alles über das Buch bzw. dessen Inhalt zu wissen. "Big brother is watching you" ist seit meiner ersten "Whatsapp"-Nutzung meine Statusmeldung.
  • Die Ausgabe des Buchs habe ich 2003 in London gekauft. Seitdem schlummerte sie im "irgendwann mal lesen"-Stapel. Ich sage aus voller Überzeugung: "Danke, Donald." Erst Donald Trumps Regentschaft und der Verweis auf George Orwells Dystopie im Zusammenhang mit rapide gestiegenen Verkaufszahlen machte mich wieder so neugierig, dass es das Buch tatsächlich von besagtem Stapel auf meinen Nachttisch und in mein Reisegepäck schaffte. 
  • Zu Beginn des Romans wird der Alltag des Protagonisten Winston Smith geschildert. Er trägt seinen Teil dazu bei, dass geänderte Realitäten (z. B. andere Kriegsgegner, Verschwinden von Menschen) auch in nachvollziehbaren Quellen (vornehmlich Zeitungen) angepasst werden. Heute werden Meldungen nachträglich im Web geändert und Aussagen von Politikern später "umgedeutet". 
  • Ein gewichtige Rolle spielt das fiktive Buch "The Theory and Practice of Oligarchical Collectivism". Zwei Kapitel werden in "1984" zitiert und sie schildern die Hintergründe des totalitären Staatsapparats und seiner Auswüchse. Auch hier ist jeder Leser eingeladen, Parallelen zur Realität zu suchen. 
  • Der letzte Teil von "1984" befasst sich mit Smith' Gefangenschaft und "Umerziehung". Über mehrere Stufen werden er und sein Geist gebrochen. Leider wirken auch diese Beschreibungen allzu glaubhaft. 
  • "Ingsoc", "newspeak", "doublethink", "crimestop" sind Begriffe, die zum Teil mit Trumps Methoden in Verbindung gebracht werden. Ich finde, man sollte die Quelle dazu kennen. 
Danke, Donald! Wenn jemals in Frage gestellt wird, ob Deine Amtszeit zu etwas Gutem geführt hat, verweise bitte gerne auf diesen Post. 

Samstag, 22. April 2017

Schlange vor der Herrentoilette?

Nein, es sieht nur so aus... Record Store Day. In der Schlange waren tatsächlich auch zwei Frauen. Die eine fragte "Wofür stehen wir hier noch mal an?"


Nicht ganz dem Sinn des RSD entsprechend, aber auf der anderen Straßenseite gab es auch ein Angebot.



Das Ergebnis:


Freitag, 21. April 2017

Vorhören: Colin Stetson - All this I do for glory

Das neue Album des Saxophon-Magiers wird nächste Woche erscheinen. Den Stream gibt es vorab dort und hier:

Donnerstag, 20. April 2017

Musik: The Big Moon - Love in the 4th dimension

























Ein Album wie ein Mojito. 

Musik statt Cocktails. Juliette Jackson war ihren Job in einer Londoner Bar satt und sah ihre Rettung in der Musik. Sie suchte sich drei gleichgesinnte Damen und damit startete das Experiment The Big Moon im Jahr 2014. Eine Blaupause für die Ausrichtung der Band hatte sie bereits in der Tasche: Es sollte klingen wir eine Garage Rock Band aber mit Melodien. The White Stripes, The Pixies, The Kinks sowie Elvis und Roy Orbison standen Modell. Über Singles, Auftritte als Support von u. a. The Maccabees, Foxygen und The Vaccines und die erste EP arbeiteten sich die vier Damen zu ihrem Debütalbum "Love in the 4th dimension" vor. Es wurde innerhalb von zwölf Tagen aufgenommen (auf viele der vorab veröffentlichten Singles wurde zurückgegriffen) und hat trotz der Melodien und des Indierock-Charakters genug Garagen-Flair behalten, um wie ein frisches Debüt zu klingen. 

"Sucker", "Bonfire" und "Silent movie Susie" sind für mich die Hits auf "Love in the 4th dimension". Zurück zur Cocktail-Analogie: Erfrischend wie Minze, grundsätzlich klar und die Gitarren knirschen wie der Zucker zwischen den Zähnen.... ein Mojito. 

Das Video zu "Cupid": 

"Sucker":


The Big Moon live:
  • 07.05. Hamburg
  • 08.05. Berlin
  • 10.05. Köln
"Love in the 4th dimension" ist:

Mittwoch, 19. April 2017

Musik: The New Pornographers - Whiteout conditions

























Indierock? Synth-Pop? Power!

Ich liebe die Wikipedia-Zeitleisten, welche die Zusammensetzungen von Bands veranschaulichen. Bei einem Kollektiv wie The New Pornographers ist eine solche besonders aussagekräftig. Zwischen dem letzten Album "Brill bruisers" und "Whiteout conditions" hat sich einiges getan. Nach 15 Jahren verließ Drummer Kurt Dahle die Band und mit Dan Bejar pausiert aktuell eines der Aushängeschilder der Kanadier. Da er sich um ein Album seiner Band Destroyer kümmert, fehlt er entschuldigt.

Kontinuität zeigen hingegen Neko Case und Carl Newman, die seit dem ersten Album im Jahr 2000 die Band prägen. Schon mit dem Vorgänger "Brill bruisers" zeichnete sich eine Entwicklung ab, die sich auf "Whiteout conditions" bestätigt: The New Pornographers klingen inzwischen mehr nach Band als nach einen Kollektiv. Mit vier potentiellen Gesangsstimmen ergeben sich vielfältige Möglichkeiten für verführerische Harmonien und auf "Whiteout conditions" werden erfreulich viele davon zelebriert. Über diese Melodien und überwiegend flotte Titel entwickelt das Album eine Energie, die sich nur mit "Power Pop" beschreiben lässt. 

Das mir mit dem Titelsong, "High ticket attractions", "Darling shade", "Second sleep", "Juke" und "Clock wise" mehr als die Hälfte der Songs des Albums erwähnenswert erscheinen, sagt m. E. etwas über dessen Qualität aus. Verführerisch. 

Das Video zu "High ticket attractions":


Für den 11.05. hat die Band einen Auftritt in Berlin angekündigt.

"Whiteout conditions" ist: