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Dienstag, 15. Februar 2011

Musik: PJ Harvey – Let England shake

cover

Auf PJ Harveys Musik stieß ich erstmals 1993. Im Rahmen des Grunge-Hypes wurde etwas später ihrem dritten Album “To bring you my love” viel Aufmerksamkeit zuteil. Auch der Nachfolger “Is This Desire?” hätte diese verdient gehabt, handelt es sich doch ebenfalls um ein sehr starkes Werk. Doch das alles wurde direkt anschließend übertrumpft durch “Stories from the City, Stories from the Sea” im Jahr 2000. Dabei handelt es sich um eines meiner Lieblingsalben. Dieses Niveau erreichten die Folgewerke des letzten Jahrzehnts nicht erneut.

Vor wenigen Tagen erschien nun mit “Let England shake” das achte Studioalbum der Engländerin. Zählt man auch die ausdrücklich namentlich gekennzeichneten Kollaborationen mit John Parish, so könnte man gar die zehnte Veröffentlichung feiern. “Let England shake” wurde in einer alten Kirche in Dorset aufgenommen. Zur Seite standen ihr dabei neben John Parish Mick Harvey (Nick Cave-sidekick) und Flood und damit weitgehend die Truppe, die bereits bei “To bring you my love” ganze Arbeit leistete.

Das Ergebnis ist: Toll. Thematisch um ihr Heimatland angesiedelt versammelt PJ zwölf Songs, die textlich eindimensional bis eindeutig in eine düstere Richtung weisen und von teilweise überraschend abwechslungsreich und fast freudig klingender Musik konterkariert werden. “Stories from the City, Stories from the Sea” war vielleicht romantischer und einen Tick eingängiger, “Let England shake” hat das Potential diese Aspekte mit Tief- und Abgründigkeit zu toppen. Der NME vergibt 10/10 Punkte. Für mein endgültiges Urteil benötige ich noch etwas Zeit. Jeder PJ Harvey-Fan hat das Album hoffentlich schon in seinem Besitz. Jeder Indierock-Fan sollte schon jetzt zugreifen, bevor er Ende 2011 eines der Alben des Jahres verpasst hat.

Leitet man aus der Zusammenarbeit mit John Parish ein Muster ab, so lautet dieses: “Solo-Album mit John Parish”, “Kollaboration-Album mit John Parish”, “Solo-Album mit John Parish”, “Album ohne John Parish”. Demzufolge wäre demnächst wieder ein “Album ohne John Parish” fällig. Das letzte am Ende einer solchen Folge war “Stories from the City, Stories from the Sea”. Ich bin gespannt, ob sich PJ nach dem starken “Let England shake” nochmals steigern kann.

Das Video zum Titelsong:

Die Tour der Dame ist bereits weitgehend ausverkauft. Für den 22.02. in Berlin gibt es wohl noch Tickets.

“Let England shake” ist:

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Kommentare:

Dirk hat gesagt…

Bisher lief das Album erst einmal bei mir und der erste Eindruck ist wie bei dir, dass es auf jeden Fall besser ist als seine Vorgänger.

Burgherr hat gesagt…

Aktuell bräuchte der geneigte Musikhörer vier bis sechs Ohren...