Die besten Geschichten schreibt das Leben. Und ich schreibe mit.
Samstag, 13. April 2019
Kirschblütenhype 2
Tatsächlich war das letzte Woche nur ein müdes Vorgeplänkel. Was so ein paar Blüten ausrichten können.
Freitag, 12. April 2019
Graphic Novel: Riad Sattouf - Der Araber von morgen, Band 4: Eine Kindheit im Nahen Osten (1987-1992)
Mit der Pubertät wird Riads Leben noch spannender.
Riad Sattouf setzt seine erfolgreiche Reihe fort und die Aufteilung seiner autobiographischen Erzählung auf viele Bänder scheint ein tragfähiges Konzept zu sein. Sein Erfolg gibt ihm recht. Im ersten Band schilderte er seine ersten sechs Lebensjahre in Frankreich, Libyen und Syrien. Die Jahre 1984-1985 sowie der im dritten Band verarbeitete Zeitraum 1985-1987 spielten sich für Riad hauptsächlich in Syrien mit kurzen Ausflügen nach Frankreich ab. Die kulturellen Unterschieden wurden in vielen kleinen oder größeren Aspekten beleuchtet.
Der erste Band der Reihe "Der Araber von morgen" fing eigentlich recht harmlos an. Doch mit Riads Alter wird sein Leben merklich komplizierter und somit die Story (so leid mir das auch für den jungen Riad tut) spannender. Noch immer sind die Schilderungen durch Kinderaugen und Kindermund gefiltert, aber die Härte der Realität greift gnadenlos nach Riad: Einsetzende Pubertät, die offenkundige Entzweiung der Eltern und vor allem die Tatsache, dass er für viele Franzosen ein unerwünschter Araber ist und er von vielen Arabern als Jude wahrgenommen und beschimpft wird, macht sein Leben wirklich schwer.
Zu Beginn des vierten Bandes der Reihe ist Riad zehn Jahre alt. Sein Vater Abdel hat eine Stelle als Dozent in Saudi-Arabien angenommen und nach fünf schwierigen Jahren in Syrien beginnt endlich die Emanzipation seiner Frau. Sie weigert sich, ihm nach Saudi-Arabien zu folgen und zieht mir ihren drei Söhnen in die Bretagne. Für mich wirkte über die ersten Bände schon wirklich unglaubwürdig, wie lange sie die "Spinnereien" ihres Mannes mitmachte.
Während des geschilderten Zeitraums von fünf Jahren entfernt sich der Vater in jeder Beziehung von seiner Familie. Er wendet sich statt dessen seinem Glauben zu. Gleichzeitig hat Riad seine eigenen Probleme in der Schule (mehr mit den Mitschülern als mit der Schule an sich) und mit den körperlichen und sonstigen Auswirkungen der Pubertät. Da nehmen plötzlich Frauen und Mädchen einen für ihn neuen Stellenwert ein. Und dann stehen auch noch Besuche in Syrien an, die für Riad immer weniger erträglich werden.
Wie bereits der Vorgängerband wartet dieser mit einem Cliffhanger auf, der die Zeit bis zur nächsten Veröffentlichung lang erscheinen lassen wird.
In Riad Sattoufs Erzählungen spiegelt sich durch die Schilderung des Vaters ein Bild des Islams wieder, welches einige der leidlich bekannten Vorurteile zu bestätigen scheint. Es wäre interessant zu wissen, ob das Bild vor 20 Jahren ähnlich ausgefallen wäre, oder ob Sattoufs Erinnerungen auch vom Zeitgeist geprägt sind. Doch diese Frage wird selbst der Autor schwer beantworten können.
Donnerstag, 11. April 2019
Musik: Strand Of Oaks - Eraserland
Einen Tick stärker als "Hard love".
"Radio kids" vom Vorgängeralbum "Hard love" schaffte es auf meine Liste der besten Songs des Jahres 2017. Daher freute ich mich auf "Eraserland", Strand Of Oaks' sechstes Album (die zwischenzeitlich veröffentlichte Resteverwertung "Harder love" zähle ich nicht mit). "Visions" und "Moon landing" sind die stärksten Titel auf "Eraserland". Sie werden es nicht auf meine Jahresbestenliste schaffen, aber der Qualität des Albums tut diese Tatsache keinen Abbruch.
Mit dem Produzenten Kevin Ratterman sowie Jim James' My Morning Jacket (ohne Jim James) als Begleitung drängt sich der Vergleich mit dieser Band auf. Strand Of Oaks-Kopf und Herz Timothy Showalter dockt auf solidem Indierock-Fundament bei den Genres Folk/Americana, Rock und Singer/Songwriter an. Zumindest diesbezüglich erfüllt er die Erwartungen. Allerdings zielt er mit seinem größeren Anteil an Rock und Hymnen mehr in die Mitte der Hörerschaft als My Morning Jacket. "Eraserland" klingt im Vergleich zu "Hard love" selbstbewusster und überzeugender, auch ohne einen Volltreffer wie "Radio kids". Die latente Bruce Springsteen-Attitüde hält mich davon ab, das Album tief in mein Herz zu schließen. Aber wer dieses Problem nicht teilt, könnte "Eraserland" richtig gut finden.
"Weird ways":
Strand Of Oaks live in Deutschland:
- 21.05. Köln
- 24.05. Berlin
Mittwoch, 10. April 2019
Graphic Novel: Alessio De Santa: The Moneyman – Die Geschichte von Roy und Walt Disney
Hintergründe zu den Anfängen des größten Filmunternehmens der Welt kurzweilig erzählt.
Wie jeder kenne ich natürlich die erfolgreichsten "Produkte" und "Marken" des Walt Disney-Konzerns. In meiner Jugend wurden manchmal noch die wirklich alten Cartoons wie z. B. "Steamboat Willie" gezeigt. Doch die wirkten zu meiner Zeit schon wirklich antiquiert. Inzwischen ist der Konzern u. a. das mit Abstand größte Filmunternehmen der Welt und mit "Steamboat Willie" haben Blockbuster aus der Star Wars- und Marvel-Reihe wirklich nicht mehr viel gemein.
Das dieser Erfolg auf den Namensgeber des Konzerns zurückging, leuchtet ein. Aber offensichtlich hatte auch dessen Bruder Roy erheblichen Anteil an der Entwicklung des Unternehmens.
Die Graphic Novel "The Moneyman" schildert sehr kurzweilig die Vorgeschichte und die erste Zeit des Unternehmens aus der Sicht des vornehmlich mit finanziellen Belangen betrauten älteren Bruders. Eingebettet in eine kleine Rahmengeschichte (eindeutig kenntlich gemacht durch ein anderes Farbschema) beginnt die Schilderung noch lange vor der Gründung des ersten Unternehmens in der Kindheit der beiden. Glaubt man der Erzählung, handelte es sich bei Walt Disney um einen sehr begabten und gleichzeitig sehr eigenwilligen Zeitgenossen. Von dem kühler agierendem Roy forderte er mit seiner Energie und seinen Vorstellungen einiges ab. Anfänglich mäßig erfolgreich, suchte sich Walt Disney immer neue Herausforderungen. Die Graphic Novel deckt die Zeit bis zur Eröffnung des ersten Walt Disney-Parks ab. Dieser erlebte der Namensgeber leider nicht mehr. Besonders interessant finde ich die Ereignisse zu Zeiten des zweiten Weltkriegs.
An der Erstellung der Graphic Novel war gleich eine ganze Gruppe von Menschen beteiligt:Alessio De Santa, Filippo Zambello, Lorenzo Magalotti, Giulia Priori, und Lavinia Pressato. Die Übersetzung verdanken wir Anja Kootz.
"The Moneyman – Die Geschichte von Roy und Walt Disney" liefert in sehr gefälliger Form einen Einblick in das Leben der beiden Brüder. Inwieweit Realität und diese Erzählung übereinstimmen, kann ich nicht beurteilen. Die Geschichte klingt aber plausibel.
Montag, 8. April 2019
Sonntag, 7. April 2019
Kirschblütenhype
Angeblich ist das nur ein Vorgeschmack auf das, was nächstes Wochenende bei guten Wetter in Bonn rund um die Kirschbäume los sein wird.
Ich sah Menschen, die für ein Photo ihres Hundes vor der Kulisse Autos anhielten.
Ich sah Menschen, die für ein Photo ihres Hundes vor der Kulisse Autos anhielten.
Mittwoch, 3. April 2019
Dienstag, 2. April 2019
Musik: Mekons - Deserted
Punk war vorgestern.
Die Entstehung der Mekons geht auf das Jahr 1977 zurück. Damals schnappten sich eine Gruppe von Kunststudenten die Instrumente der Gang Of Four und nahmen ein Album auf. Noch heute ist diese "Urgruppe" als The Mekons 77 aktiv.
Ein anderer Zweig dieses Ursprungs sind die Mekons. Deren Aufnahmesessions scheinen echte "Happenings" zu sein. Die letzte fand am Rande des Joshua Tree-Nationalparks statt. Passend ist das Ergebnis "Deserted" betitelt. Es klingt nach betrunkenen, gröhlenden Engländern, etwas nach Alternative / Stoner Rock und auch Folk / Americana-Anteile (ich fand den Genre-Titel "Cowpunk") dürfen offensichtlich nicht fehlen. Dem Punk ist die ursprünglich englische Band lange entwachsen. Sie musiziert und zitiert sich kreuz und quer durch die Musikgeschichte. Das ist stellenweise anstrengend, aber keinen Moment langweilig.
Die stärksten Titel sind der Opener "Lawrence of California" und "In the sun / The galaxy explodes".
Das Video zu "Lawrence of California":
Mekons live in Deutschland:
- 07.04. Berlin
- 08.04. Hamburg
- 10.04. Frankfurt
- 13.04. Reutlingen
- 14.04. Bad Saulgau
Montag, 1. April 2019
Buch: Maik Brüggemeyer - I've been looking for Frieden
Deutsche Geschichte und Musik interessant verknüpft.
Natürlich schreckt der Titel (und m. E. auch das Cover) dieses Buches ab. Eine Anspielung auf den Song "I've been looking for freedom" dürfte tatsächlich mehr potentielle Leser verschrecken als zur Lektüre ermutigen.
Aber ich war mutig und ich bereute es nicht.
Anhand der Songs
- "Capri-Fischer" von Rudi Schuricke
- "Deutscher Sonntag" von Franz Josef Degenhardt
- "Father Cannot Yell" von Can
- "99 Luftballons" von Nena
- "I’ve Been Looking For Freedom" von David Hasselhoff
- "Over The Rainbow" von Marusha
- "Links, 2, 3, 4" von Rammstein
- "Dieser Weg" von Xavier Naidoo
- "Nichtstun" von Balbina
- "Sommer '89" von Kettcar
erkläutert der Rolling Stone-Autor Maik Brüggemeyer deutsche Geschichte von der Zeit um den zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart. Die o. a. Songs treffen sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Aber über diese hinaus benötigt er noch 58 weitere Titel, um sein Bild der Entwicklung Deutschlands und der Auswirkungen auf die Musik zu zeichnen. Natürlich ist das viel eigene Interpretation dabei und der Leser muss entscheiden, in welchem Umfang er den "Thesen" Brüggemeyers folgt. Auf jeden Fall regt das Buch zum Nachdenken an. Bei einigen Ereignissen beschränkt sich mein Wissen auf das, was ich nun einmal in der Schule brauchte. Vor allem die 68er Bewegung und die Verlinkung zu Krautrock und anderen "Neuheiten" der Zeit fand ich sehr spannend.
Interessant ist auch, wie klein die Welt auch bezüglich deutscher Musik ist. Hier die Kette von Kontakt um Nena: Carlo Karges (Extrabreit), Co-Autor und Musiker in Nenas Band. Nena selbst beantwortete später in Günther "Jim" Raketes Büro Fanpost for Spliff. Die Spliff-Musiker kamen aus Nina Hagens Band und die war bekanntlich die Stieftochter Wolf Biermanns. Und da sind wir schon wieder bei einem ganz anderen Kapitel des Buchs.
Ich fühle mich von "I've been looking for Frieden" sehr gut unterhalten und während der Lektüre befasste ich mich mit einigen Songs, die ich ansonsten bislang nur vom Namen her kannte.
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