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Sonntag, 10. April 2016

Buch: Riad Sattouf - Der Araber von morgen, Band 1: Eine Kindheit im Nahen Osten (1978-1984)




















Kindlich naiv und stellenweise entlarvend. 

Riad Sattouf hat mit "Der Araber von morgen" Auszeichnungen eingeheimst und für eine Graphic Novel ansehnliche Verkaufszahlen erreicht. Da bereits der zweite Band erschienen ist, wird es nun wirklich Zeit, den Beginn seiner Erinnerungen vorzustellen.

Der Comic-Zeichner und Regisseur Sattouf war als Satiriker für Charly Hebdo bis Mitte 2014 (und damit vor dem Anschlag) tätig. Also Sohn eines Syrers und einer Französin, die sich während des Studiums in Frankreich kennengelernt haben, verbrachte er große Teile seiner Kindheit in Ländern wie Libyen und Syrien. Genau das schildert er in "Der Araber von morgen". 

Zwei Aspekte machen seine Arbeit besonders: Er nutzt als Form die Graphic Novel und erzählt aus der Sicht eines Kindes. Die Graphic Novel erlaubt die Schilderung in Form von Episoden und verzeiht eine gewisse Sprunghaftigkeit. Die ist vielleicht einerseits eventuellen Erinnerungslücken aber andererseits auch der Tatsache geschuldet, dass nicht jeder Tag seiner Kindheit erwähnenswert ist. Die Perspektive des Kindes ermöglicht die beobachtende und weitgehend wertfreie Darstellung der Geschehnisse und Erlebnisse. Dadurch wirken einige davon aber umso eindrücklicher: Menschen erledigen ihr "Geschäft" (groß) auf der Straße, die Nahrungsmittelknappheit zwingt zu einer einwöchigen Bananendiät, nicht alle Familienmitglieder dürfen das Haus zeitgleich verlassen, da Türschlösser verboten sind und jeder in ein leer stehendes Haus sofort einziehen darf. 

Die drei Hauptpersonen sind Riad und seine Eltern. Die Mutter erscheint eher am Rande und der Leser wundert sich, warum sie die ganzen "Spinnereien" des Vaters mitmachte. Mit dem kleinen Riad hat man spätestens dann Mitleid, wenn er von seinen Verwandten in Syrien schlecht behandelt wird. Über die Familiengeschichte hinaus erfährt man auch einiges über die damaligen Machthaber Muammar al-Gaddafi und Hafiz al-Assad sowie die Situation zur damaligen Zeit in Libyen und Syrien. "Der Araber von morgen" hat als Graphic Novel nicht den Anspruch, komplexe politische und gesellschaftliche Zusammenhänge zu erklären. Aber sie zeichnet ein Bild, dessen Fortführung ich in den weiteren Bänden gerne verfolgen werde. 

Band 1 endet recht abrupt, vielleicht kam die Idee einer Fortsetzung erst spät...

Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, dass Graphic Novels nur selten Wert legen auf wirklich gut ausgearbeitete Zeichnungen. "Der Araber von morgen" ist diesbezüglich gutes Mittelmaß. Bemerkenswert ist die farblich eindeutige Gestaltung je nach Land, in dem die Geschichte sich gerade zuträgt. 

Ausführlich diskutiert wird das Buch hier:

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