Die besten Geschichten schreibt das Leben. Und ich schreibe mit.

Mittwoch, 30. Januar 2019

Dienstag, 29. Januar 2019

Musik: Fidlar - Almost free


























Vielseitig.


Über Fidlar stolperte ich erst kürzlich: Für die tolle BBC-Serie "Peaky blinders" wurde deren Cover von Nick Caves "Red right hand" als Teil des Soundtracks genutzt. Doch auch ohne diese Aufmerksamkeit hätte mich der neue Song "Can't you see" auf Anhieb neugierig gemacht. Dieser kam mir in einem Podcast unter.  

Die kalifornische Band wurde vor zehn Jahren gegründet. Der Name steht für "Fuck it dog, life's a risk". Damit ist einiges über die Einstellung der vier Herren gesagt: Sie werden der Punk Rock / Skate Punk-Szene zugerechnet. Mindestens drei Mitgliedern wurde diese Prägung ein Stück weit in die Wiege gelegt: Die Brüder Elvis und Max Kuehn sind Söhne des Keyboarders der Band T.S.O.L. und der Vater des Sängers Zac Carper designte Surfbretter. 

Mit ihrem dritten Album "Almost free" wird Fidlar dem Motto "Fuck it dog, life's a risk" gerecht: Frisch, frech und hemmungslos spielen sie mit so ziemlich allen Spielarten des Rock, die für Spaß stehen können: Ska. Punk, Indiepop, Pop Punk, Garage Punk und als Höhepunkt empfehlen sie sich zumindest mit dem Song "Get off my rock" als fähige Beastie Boys-Imitatoren. Während der ersten Durchläufe empfand ich diesen Titel als störend. Doch inzwischen ist der Titel für mich neben "Can't you see", "Alcohol", "Called you twice" und "Too real" einer der Hits des Albums.  

Die Vielseitigkeit der Songs auf "Almost free" ist bestechend und lässt keinen Moment an die freudige Eintönigkeit denken, mit der mich Skate Punk ansonsten nicht selten langweilt. Und obendrauf gibt es noch Texte zu ernsthaften Themen, die einen Kontrapunkt zu der musikalischen Grundstimmung darstellen. Die Suche nach einem roten Faden auf "Almost free" kann sich der geneigte Hörer sparen, auf diesen wurde offenkundig zugunsten der von mir gelobten Vielseitigkeit verzichtet. Wer damit umgehen kann, wird von "Almost free" glänzend unterhalten.  

Das Video zu "Can't you see":


"Be myself":


"Almost free" klingt nach:

Montag, 28. Januar 2019

Musik: Keuning - Prismism


























Auch solo enttäuschend. 

Dave Keuning hat zu einem meiner liebsten Rock-Alben des letzten Jahrzehnts beigetragen: "Hot fuss" von The Killers. Als Gründungsmitglied hat(te) er dort schon lange die Gitarre in der Hand. Auf deren aktuellem Album hat er nur noch teilweise mitgewirkt und auf der Tour ist er nicht dabei. Vielleicht war er ja ebenso enttäuscht von der Entwicklung der Band wie ich und vielleicht wollte er ja solo alles besser machen... hoffte ich. Immerhin handelt es sich um den Lead Gitarristen der Amerikaner und gerade die Gitarren auf "Hot fuss" hatten mir es angetan. Fairerweise muss ich hinzufügen, dass Keuning das letzte The Killer-Mitglied ist, welches außerhalb der Band maßgeblich tätig wurde.

Unter seinem Nachnamen veröffentlichte er kürzlich sein Solo-Debüt "Prismism". Und meine Hoffnung starb beim ersten Durchlauf des Albums mit dem siebten der 14 Titel. Dieser Titelsong ist schwer erträglich und ein Vorbote für die zweite Hälfte von "Prismism". 

"Boat accident", "I ruined you" und "Hope and safety" sind die relativen Höhepunkte auf dem ansonsten entbehrlichen Synthrock-Album. In den besseren Momenten klingt es nach mittelmäßigen Songs der Killers. 

"The Queen's finest":


Der Opener "Boat accident":


Und (behauptet nicht, ich hätte nicht davor gewarnt) der Titelsong:


"Prismism" klingt nach:

Sonntag, 27. Januar 2019

Konzert: Terry Hoax in der Bonner Harmonie, 26.01.2019


Starkes Auswärtsspiel. 

Terry Hoax bzw. Olli Perau habe ich bisher nur in ihrem natürlich Lebensraum erlebt: In Hannover. Dort füllen sie regelmäßig das Capitol mit treuen Fans. In anderen Städten sind die Auftrittsorte merklich kleiner und vermutlich ist auch die Stimmung einen Tick gedämpfter.

Gestern spielte die Band allerdings in der Harmonie in Bonn und bei einer derart kurzen Anreise empfand ich es als meine Pflicht, die Band zu unterstützen. Das dachte sich auch ein anderer Fan: Im Rahmen der Crowdfunding-Kampagne zur Finanzierung ihres aktuellen Album "Thrill!" hatte dieser direkt ein ganzes Terry Hoax-Konzert gekauft. Und dieses löste die Band gestern ein. Üblicherweise geschah dies für die Konzerte der Kampagne im kleineren Rahmen, aber in Bonn wurde mit der Harmonie gleich eine stattliche Location angemietet. Erfreulicherweise fanden sich mehr Gäste als erhofft ein, so dass die Kalkulation für den besagten Fan hoffentlich aufgegangen ist. Auf jeden Fall schien er einen der besten Abende seines Lebens gehabt zu haben. Er tanzte und sprang links der Bühne, während sich Terry Hoax' wohl treuster Fan Astrid rechts der Bühne ihren Platz gesichert hatte. Terry Hoax-Fans wissen, wovon ich hier schreibe. ;-)

Kurz nach acht betraten die fünf Musiker die Bühne für ihr erstes Konzert 2019. Bestens aufgelegt zeigten sie vom ersten Titel an viel Freude am Auftritt.



Olli Perau litt etwas unter dem strengen Rauchverbot in der Harmonie, aber trotzdem heizte ermächtig ein und er unternahm einige Ausflüge ins Publikum. Selbst für eine kurze Stagediving-Einlage reichte seine Energie und der Enthusiasmus des Publikums. 


Natürlich durften vor allem die alten Hits im Set nicht fehlen. Aber sowohl die Band und das Publikum konnten mit dieser Tatsache gut leben und die neueren Titel fügten sich gut ein. "Quickly growing hills of problems" fand erstmal seit der Wiedervereinigung der Band den Weg auf die Bühne. Auf Wunsch des Veranstalters wurde "Happy times" gespielt und mit diesem Rock-Monster wurde nicht nur er glücklich gemacht. Bei Fan-Standards wie "Touch the sky" und "Live all" war der Unterschied zu Konzerten in Hannover merklich aber verschmerzbar. Die Band hinterließ nach zwei Stunden sehr zufriedene und zum Teil erschöpfte Fans. 

Die Songs:
  • Gonna sing a song for you
  • Insanity
  • Inbetween
  • Pale soul
  • Freedom circus
  • Live all
  • Policy of truth
  • Grasshopper
  • Ghost
  • Another face
  • Quickly growing hills of problems
  • From love to hate and back
  • Not afraid to die
  • Touch the sky
Zugaben (1)
  • Happy times
  • Waterland
Zugabe (2)
  • Dreamer

Samstag, 26. Januar 2019

Saisonal / regional

So muss eine Stadtbibliothek im Rheinland wohl zu dieser Jahreszeit ausschauen:




Freitag, 25. Januar 2019

Musik: Buke & Gase - Scholars


























Eine der bestmöglichen Mischungen aus Indierockpop und Experimental.

Arone Dyer und Aron Sanchez bauen sich Instrumente selbst. Da gibt es z. B. "Gase", einen Gitarre-/Bass-Hybrid und "Buke", eine für ihren Zweck optimierte Bariton-Ukulele. Und mit diesen und anderen Instrumenten machen die beiden recht experimentelle Musik. Das Duo musiziert unter dem somit selbsterklärenden Namen Buke & Gase.

Einen Eindruck vermittelt dieses Tiny desk concert:


Bereits seit zehn Jahren arbeiten die beiden an ihrer Musik. Der Titelsong hatte ich mich auf "Scholars", ihren dritten Longplayer,  aufmerksam werden lassen. Mit "Gips", dem besonders tollen "Eternity" und "No land" hat die Platte noch weitere Highlights zu bieten. Die Kombination aus Indiepop, Indierock und Experimental mündet nicht selten in vergleichsweise beschwingte Trip Hop-Nummern. Toll. 

"Derby":


Buke & Gase Live:
  • 08.03. Köln
  • 10.03. Berlin
  • 11.03. Jena
  • 12.03. Nürnberg
  • 13.03. München

"Scholars" ist:

Mittwoch, 23. Januar 2019

Betreutes Hören: Sharon van Etten - Remind me tomorrow

Nein, ich möchte nicht schon an den gestrigen Beitrag erinnern, obwohl es sowohl der Albumtitel als auch die Qualität des Albums durchaus erlauben würden. 

Statt dessen möchte ich auf diesen Podcast hinweisen. Darin werden alle Songs aus "Remind me tomorrow" angespielt und Sharon van Etten gewährt interessante Einblicke in deren Entstehung. 

Also: Entweder gut 41 Minuten für das Album oder gut 43 Minuten für den Podcast. Ich empfehle beide in der Reihenfolge. ;-)

Dienstag, 22. Januar 2019

Musik: Sharon van Etten - Remind me tomorrow


























Ihr bislang erinnerungswürdigstes Album. 

Bis 1981 wurde von der Firma Roland der analoge Synthesizer "Jupiter 4" hergestellt. Im gleichen Jahr erblickte Sharon van Etten das Licht der Welt. Und nun, viele Jahre später, kam es zu einem intensiven Aufeinandertreffen der beiden. Van Etten stolperte in einem Proberaum über ein Exemplar des Instruments und den Effekt auf ihre Songs zeigt ihr fünftes Album "Remind me tomorrow" deutlich. 

Seit Veröffentlichung ihres vierten Werks "Are we there" sind fast fünf Jahre vergangen. In dieser Zeit wurde sie Mutter, nahm sich Zeit für ihr Psychologie-Studium und übernahm eine Rolle in der TV-Serie "The OA". Musikalisch trat sie kurz bei Twin Peaks und für den Soundtrack zu "Strange weather" in Erscheinung. Diese persönlichen Erfahrungen sowie der Jupiter 4-Effekt wären schon Erklärungen für eine musikalische Entwicklung. Und dann kam noch John Congleton als Produzent hinzu, dessen unendliche Liste der von ihm produzierten Alben kaum zu fassen ist. Aus der jüngeren Vergangenheit erwähne ich St. Vincents "Masseduction" (weil einige der Songs auf "Remind me tomorrow" durchaus an St. Vincent erinnern),  Wild Beasts' "Boy king" sowie die Franz Ferdinand / The Sparks-Kollaboration "FFS".

In Vorankündigungen und einigen Kritiken wird ausdrücklich der neue Optimismus hervorgehoben, den van Ettens neues Album ausstrahlen soll. Einzelne Songs wie "Comeback kid" und "Seventeen" zeigen tatsächlich erhebende Stimmungen, die ich so bei ihr noch nicht wahrgenommen habe. Aber in genug anderen Titeln nutzt die Amerikanerin die Synthie-Klänge doch auch geschickt, um ähnliche Atmosphären zu schaffen, wie man sie von ihren früheren Alben kennt. "Hands" möchte ich als weiteren starken Titel nennen. 

Insgesamt kommt "Remind me tomorrow" die neu entdeckte Vielfalt an Stimmungen und Instrumenten absolut zugute und es ist bislang van Ettens bestes Album. 


Das Video zu "Comeback kid":


"Seventeen":



Sharon van Etten auf Tour:
  • 02.04. Köln
  • 03.04. München
  • 05.04. Berlin
  • 06.04. Hamburg
"Remind me tomorrow" ist:

Montag, 21. Januar 2019

Musik: Steve Mason - About the light


























Mehr Indiepop und etwas gedämpfte Experimentierfreude für Masons bislang bestes Solo-Album.  

Drei Solo-Alben lang arbeitete Steve Mason bei der Entstehung seiner Songs weitgehend allein. Für sein neustes Werk wollte er Live-Atmosphäre einfangen. Daher spannte er seine Begleitmusiker schon während der Entwicklung neuer Titel ein. Und mit Stephen Street übernahm sogar eine Legende des Britpops den Produzentenjob. In dessen Referenzliste finden sich The Smiths, Morrissey, Blur, The Cranberries, The Kaiser Chiefs u. v. a. m..

Bei Metacritic werden Masons vier Solo-Alben auf hohem Niveau ähnlich gut bewertet (80/100 bzw.  81/100). Doch in meiner Wahrnehmung sticht "About the light" gegenüber "Boys outside", "Monkey minds in the devil's time" und "Meet the humans" doch ein ganzes Stück hervor: Bei keinem seiner bisherigen Solo-Werke bekannte sich Mason so klar zu Indiepop und tollen Melodien. Elektronische Elemente der früheren Alben wurden reduziert oder gleich durch Bläser ersetzt. Und während Masons Stimme den glättenden Gegenpol darstellte, ist sie auf  "About the light" das stimmungssteigernde Sahnehäubchen. 

"Walking away from love" ist der Hit des Albums:


"America is your boyfriend" und "Stars around my heart" sind ebenfalls stark.


Für den 14.02. ist ein Konzert in Berlin angekündigt.

"About the light" ist: