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Sonntag, 29. Januar 2012

Buch: Peer Meter, Isabel Kreitz-Haarmann

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Als “Wahl-Hannoveraner” muss man sich vor seinen Mitmenschen immer mal wieder für seinen Wohnort rechtfertigen. Wenn sich Skeptiker mit dem Maschsee, Hannover 96 oder dem größten Schützenfest der Welt nicht beeindrucken lassen, muss man schon bald mit den Namen einiger Berühmtheiten der Stadt um sich werfen. Fehlen darf dabei natürlich nicht Fritz Haarmann, ein Massenmörder, der nach dem ersten Weltkrieg bis zum Jahr 1924 mindestens 24 junge Männer tötete.

Peer Meter und Isabel Kreitz haben sich dessen Geschichte als Grundlage für de Graphic Novel “Haarmann” ausgesucht. Die Darstellung beschäftigt sich weniger mit Haarmanns Hintergrund als mit der Zeit kurz vor und nach seiner Verhaftung. Die Tatsache dass er die Kleidung seiner Opfer verkaufte wird ebenso aufgegriffen wie die Vermutung, dass er deren Fleisch zu Wurst verarbeitet und diese ebenfalls veräußerte.

Die durchweg schwarz-weiß gehaltenen Zeichnungen unterstützen das düstere Thema des Buchs. Sie regen ferner dazu an, sich Hannovers damaliges Stadtbild vorzustellen. “Haarmann” ist ein recht schneller Weg, sich mit diesem Mann und dessen Taten zu befassen. Die Verstrickungen der Polizei, die Fritz Haarmann als Spitzel beschäftigte und ernste Hinweise auf seine kriminellen Handlungen ignorierte stellen eine bemerkenswerte Parallele zu Phänomenen der jüngeren Geschichte dar.

Die Autoren wählten mit Fritz Haarmann als historischer Figur eine ergiebige Vorlage für eine Graphic Novel. Wäre Haarmanns Vorgeschichte noch etwas Raum eingeräumt worden, wäre ich von “Haarmann” begeistert. So bildet das Werk einen Einstieg für weitere Recherchen.

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