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Samstag, 15. Oktober 2011

Tori Amos–Night of hunters

Night of hunters

Kann es ein Konzeptalbum von Tori Amos in Anlehnung an klassische Musik geben, welches einigermaßen zugänglich ist? Ja!

Ausgelöst durch nah beieinanderliegende Veröffentlichungstermine kam es bereits 2007 zu einem direkten Vergleich zwischen Tori Amos und Björk um die Plätze in meiner “hot rotation”. Björks “Volta” gewann damals das Rennen gegen Toris “Abnormally attracted to sin”. Die Vorzeichen für den direkten Vergleich 2011 sind eigentlich eindeutig: Während Björk mit “Biophilia” ein multimediales Gesamtkunstwerk erschuf, klingt dieses musikalisch gar nicht mal so außergewöhnlich und für ihre Verhältnisse “poppig”. Tori Amos hingegen veröffentlichte zwischenzeitlich das vermutlich seltsame Album “Midwinter graces” und kündigte mit “Night of hunters” gar ein Klassikalbum an. Ob sich die Schere zwischen den beiden Künstlern in meiner Empfindung damit noch weiter öffnet?

Man kann Tori Amos wirklich nicht nachsagen, dass sie es ihren Hörern leicht macht. Während ihre beiden ersten Alben “Little earthquakes” und “Under the pink” noch recht zugänglich waren, übernahm sie ab “Boys for Pele” (erschienen 1996) das Produktionszepter selbst in die Hand und ab diesem Zeitpunkt war jedes Werk eine Herausforderung, zumindest für den Hörer. Oft handelte es sich um erklärungsbedürftige Konzeptalben, denen ich mal mit größerer (“Strange little girls”, “Scarlet’s walk”) und mal mit weniger großer Begeisterung begegnete.

Die Ankündigung, dass es sich bei Toris zwölftem Album “Night of hunters” um ein Werk klassischer Musik handelt, ließ mich kurz erschaudern. Inspiriert von Komponisten wie Bach, Chopin, Debussy und Schubert schuf sie ihre Version eines “21st century song cycle inspired by classical music themes spanning over 400 years." Tatsächlich bedient sich Tori Amos einiger klassischer Motive und deren Variationen. Das Ergebnis an sich unterscheidet “Night of hunters” jedoch nicht so sehr von den meisten ihrer früheren Werke. Die durchgängig akustische Instrumentierung und der Einsatz von Streichern und lustigen Blasinstrumenten trägt weitaus stärker zum Eindruck “klassischer Musik” bei als die Songs an sich. Es könnte sich auch um von einem klassischen Orchester eingespielte ältere Tori-Songs handeln. Das Album-Konzept an sich halte ich darüber hinaus nicht für erklärungswürdig.

Doch jetzt kommt die tatsächliche Überraschung: Die meisten der Songs funktionieren in dem Umfeld. Besonders gut gefallen mir die von bzw. mit Natashya Hawley dargebotenen Songs “Snowblind”, “Cactus practice”, “Job’s coffin” (definitiv vor dem 05.10.2011 komponiert, aber das Apostroph steht ja auch vor dem “s”!) und “The chase”. “Shattering sea” glänzt durch Pianoattacken in Manier der frühen Alben und “Fearlessness” darf auch nicht unerwähnt bleiben.

Tori Amos hat mit “Night of hunters” ein Album veröffentlicht, welches es aktuell Björks “Biophilia” ganz schön schwer macht… zumindest in meiner Gunst. Im Gegensatz zum Duell des Jahres 2007 liegt dieses Jahr Tori Amos vorn. “Night of hunters” kann locker in der Weihnachtszeit aber auch bis dahin und darüber hinaus gespielt werden.

Die DVD der Deluxe Edition wartet mit einer Dokumentation zu den Albumaufnahmen (inklusive Tori-Interviews) und zwei Videos auf. So auch  das Video zu “Nautical twilight”:

Toris Tour führte sie 2011 bereits in einige deutsche Städte. Es stehen noch aus:

  • 26.10. Frankfurt
  • 31.10. Essen

“Night of hunters” klingt nach:

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