Die besten Geschichten schreibt das Leben. Und ich schreibe mit.

Montag, 10. April 2017

Buch: Andrea Wulf - Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur

























Wissenschaft unterhaltsam.

So erfolgreich und unterhaltsam Daniel Kehlmanns "Die Vermessung der Welt" auch gewesen sein mag, die tatsächliche Bedeutung Humboldts hat mir das Buch nicht nachdrücklich vermittelt. Doch dafür gibt es "Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur".

Die Historikerin Andrea Wulf hat mit diesem Buch einem der letzten Universalgelehrten ein weiteres kleines Denkmal gesetzt. In biografischer Manier werden die relevanten Lebensstationen und Reisen Humboldts geschildert. Es lohnt sich, diese anhand der Karten im Buch nachzuvollziehen. Mir fällt es schwer mir vorzustellen, wie sich Reisen im frühen 19. Jahrhundert gestalteten. Ich vermute verspätete ICE waren da noch die kleineren Herausforderungen. Umso mehr Achtung habe ich nun nach der Lektüre des Buchs vor Humboldts Lebensleistung. Und die Tiefe und Breite seiner Erkenntnisse sind unfassbar. Er erkannte bereits Zusammenhänge, die von aktuellen Staatspräsidenten geleugnet werden.

Humboldt war ein echter Weltbürger: Von belesenen Landsleuten wie Goethe geschätzt, ein regelmäßiger Ansprechpartner für US-Präsident Thomas Jefferson und ein angesehener Wissenschaftler in der ganzen Welt, vor allem aber in Paris und London.

Erkenntnisreich für den Leser sind auch die direkten und indirekten Verbindungen zu anderen einflussreichen Personen. Simón Bolívars Kampf für Unabhängigkeit in Südamerika wurde durch Humboldt ebenso befeuert wie Charles Darwins Entwicklung der Evolutionstheorie. Henry David Thoreau und George Perkins Marsh (einer der ersten Umweltschützer der USA) ergötzten sich an seinen Werken, sowie Ernst Haeckel (dem "Erfinder" der Wortes Ökologie und seiner Bedeutung) und John Muir, der für Nationalparks wie den Yosemite kämpfte.

Etwas gewöhnungsbedürftig sind die zahlreichen Quellenverweise, aber ansonsten liest sich das Buch flüssig und stellenweise gar fesselnd. Man könnte sich natürlich von dem Umfang (560 Seiten) abschrecken lassen. Der Epilog endet allerdings auf Seite 420 und die Quellenangaben ab Seite 439 lesen sich wirklich schnell. ;-)

Sonntag, 9. April 2017

Konzert: The Lake Poets in Ursulas und Dirks Wohnzimmer in Montabaur, 08.04.2017


Nordenglische Melancholie im Westerwald. 

Erneut luden Ursula (den Bericht aus erster Hand gibt es dort) und Dirk zu einem ihrer Wohnzimmerkonzerte nach Montabaur. Künstler nach Montabaur zu locken, bedarf offensichtlich gründlicher Recherchen. Der Engländer Martin Longstaff outete sich bei einem Konzert als Lehrer, Dirk nahm diese Information dankend auf und fragte für einen Termin in den Ferien an. Und schon gelangt Montabaur auch auf Longstaffs musikalische Landkarte. Vielleicht inspirierte ihn der Sonnenuntergang am gestrigen Abend gar zu einem neuen Song. 


Longstaffs bisher einziges Album als The Lake Poets konnte bei mir 2015 nur einen Achtungserfolge erzielen. Leise Töne und Menschen haben es eben manchmal schwer. Gestern gewannen die Songs durch Longstaffs Erläuterungen zum jeweiligen Hintergrund und natürlich durch ihn selbst und die "ehrliche" Darbietung seiner Kunst. Für den Song "Lost in the city" bediente er sich des Textes einer 11 jährigen Schülerin seines "creative writing"-Kurses. "Your face" war der fröhliche Song, den Produzent Dave Stewart (ja, der Dave Stewart) bei den Aufnahmen in Nashville einforderte. Den Kontrast bildete kurz darauf "North view", ein Song den Longstaff mit der Demenz seiner Großmutter verbindet. 

Für zwei Songs gegen Ende des Sets sorgte Tourbegleiter James für Rhythmus und Stimmung. 


  • Windowsill
  • Lost in the city
  • Friends
  • Edinburgh
  • Rain
  • April
  • Your face
  • Runaway
  • North view
  • Dead horses
  • In the way
  • See you tonight
  • How do you love me? 
Wie bislang immer in diesem Wohnzimmer wurde die Atmosphäre dem Künstler mehr als gerecht. Und das Essen war auch wieder toll. Und bunt.


P.S.: Axel Who?

Samstag, 8. April 2017

Freitag, 7. April 2017

Früher liefen solche Sachen im Musikfernsehen: Mando Diao - Shake

Nach dem Seitensprung mit Caligola ist Mando Diao um eine Erfahrung reicher aber um einen Frontman (Gustaf Norén) ärmer. Mit "Good times" wird am 12.05. ein neues Album der Schweden erscheinen. Einen ersten Eindruck erlauben Single und Video zu "Shake":



Im Juni wird die Band neue und bestimmt auch alte Hits auf den Hurricane und Southside Festivals präsentieren.

Donnerstag, 6. April 2017

Musik: Future Islands - The far field


























Wie die Wild Beasts... nur nicht so gut. 

Future Islands machten schon über einige Jahren und Alben Musik, doch populär wurden sie mit diesem Auftritt vor drei Jahren bei Letterman. Sänger Samuel T. Herring gab alles:


Das zugehörige Album "Singles" brachte es zu akzeptablen Chartplatzierungen und das Trio aus Baltimore blickte in eine hoffnungsvolle Zukunft. Mit den unfassbar zahlreichen Konzerten in den Jahren 2014 und 2015 hat sich die Band eine solide Fanbasis erspielt. Mit dem fünften Album "The far field" wird sich nun zeigen, ob die Substanz der Band für eine weitere Karrierestufe ausreicht.

Unter John Congletons (ja, der schon wieder) Regie nutzen die Future Islands die Elemente, die sie über die ersten Alben perfektioniert haben: Synthieschichten, markante Basslinien und eben Herring als strahlender Stern über allem.  

Mit "Time on her side", "Ran", "Cave" und "North star" enthält "The far field" zweifellos gefällige Songs und mit Debbie Harry auch eine prominente Duettpartnerin ("Shadows"). Über Albumlänge kann mich das alles aber nicht so begeistern wie Samuel T. Herrings Performance bei Letterman. Allein die Erwartung der einen oder anderen intensiven Gesangspassage erzeugt nicht genug Spannung. Vielleicht sind die anstehenden Auftritte in Deutschland zumindest ähnlich sehenswert:
  • 27.06. Köln
  • 06.11. Hamburg
  • 08.11. München
"Ran":


"Cave":


"The far field" ist:

Mittwoch, 5. April 2017

Song: Waaktaar & Zoe - Laundromat

So ein heimtükischer Song, der sich durch die Hintertür zum Ohrwurm entwickelt hat. Die Hälfte von Waaktaar & Zoe ist ein Drittel von a-ha, so erklärt sich das auch mit der Pop-Qualität.

Dienstag, 4. April 2017

Musik: The Moonlandingz - Interplanetary class classics


























Auffallen um jeden Preis. 

Je schräger eine Band im nicht deutschsprachigen Ausland erscheinen möchte, desto größer die Chance, dass einige deutsche Worte genutzt werden. Ich denke da spontan an "Ich trinke Schampus mit Lachsfisch", Tools "Die Eier von Satan" oder Rammstein. The Moonlandingz brüllen in bester Opern-Manier am Ende des Songs "Glory hole" ein beherztes "Ich liebe Dich", danach startet der Titel "Lufthansa man". Im gesamten Auftritt kann man der Band vieles, aber keine Subtilität unterstellen. 

Die Ursprünge des Projekts The Moonlandingz gehen zurück auf das 2015 erschienene "Johnny Rocket, narcissist and music machine… I’m your biggest fan" von Eccentronic Research Council. So schnell wird aus einer fiktiven Band ein Album. The Moonlandingz bestehen aus Adrian Flanagan und Dean Honer vom Eccentronic Research Council sowie Lias Saoudi  und Saul Adamczewski von Fat White Family. Augenommen wurde das Album mit Sean Lennon im Staat New York. Dessen Mutter ist ebenso als Gast auf "Interplanetary class classics" vertreten wie Randy Jones (aka der Cowboy der Village People), Rebecca Taylor (Slow Club) und Phil Oakey (The Human League). 

Electrobeats, ein paar Indiegitarren, wenige Jazz-Rhythmen und viele Experimente... das Gesamtwerk ist schwer zu beschreiben. Aber es ist ein buntes Potpourri an Ideen und eine tolle Abwechslung für Musikfans. "Sweet Saturn mine", "Black Hanz", "The rabies are back" und "This cities undone" sind meine Empfehlungen auf "Interplanetary class classics". 


Das Video zu "Black Hanz":


"The strangle of Anna":


The Moonlandingz live:

  • 22.04. Köln
  • 24.04. Berlin
  • 25.04. Hamburg

"Interplanetary class classics" ist:


Montag, 3. April 2017

Früher liefen solche Sachen im Musikfernsehen: Björk - Notget

Björk ist eine Kunstform für sich.

Sonntag, 2. April 2017

Musik: Goldfrapp - Silver eye

























Überzeugend mit Electropop.

Alison Goldfrapp und Will Gregory haben als Goldfrapp ihren Fans und Hörern über sechs Alben schon verschiedenste Soundlandschaften geschenkt oder beschert. Von Electropop über langweilige Ambient-Experimente und Trip Hop bis zu Folktronica wurden diverse Spielarten elektronischer Musik abgedeckt.

Vier Jahre nach "Tales of us" schwenkt die Band mit "Silver eye" wieder klar in Richtung Electropop und das gelingt sehr überzeugend. Titel wie "Anymore", "Systemagic", "Become the one" und "Zodica black". Mit Allzweck-Waffe John Congleton, Leo Abrahams (u. a. Wild Beasts und Brett Anderson) und Bobby Krlic aka The Haxan Cloak (Björks "Vulnicura") durfte gleich eine ganze Produzenten-Herde Ideen einbringen. Komplett neu klingt Goldfrapp auf "Silver eye" trotzdem nicht, aber überzeugend.   

Das Video zu "Anymore":


"Ocean":


"Silver eye" ist: