Die besten Geschichten schreibt das Leben. Und ich schreibe mit.

Donnerstag, 9. Februar 2017

Musik: Jesca Hoop - Memories are now

























Noch besser ohne Sam Beam: Tolles Cover, tolles Album. 

Jesca Hoop hat das kleine Wunder vollbracht, mir ein Album mit Beteiligung des generell unter Langweile-Verdacht stehenden Sam Beam schmackhaft zu machen. Auf deren gemeinsamen Album "Love letter for fire" vermutete ich Hoop als die Quelle der belebenden Indiepop-Leichtigkeit. Nun erscheint mit "Memories are now" ihr erstes Solo-Album seit dieser Zusammenarbeit mit Beam und die Möglichkeit der Überprüfung meiner Annahme. 

In der Vergangenheit hat sie mit den Alben "Undressed" (danach lässt sich sogar SFW im Internet suchen) und der akustischen Neuinterpretation ihres Debüts "Kismet" nachgewiesen, dass sie vor akustischer Kulisse glänzen kann. Besonders empfehle ich "Murder of birds", ein Duett mit Guy Garvey:


Doch zurück zur Gegenwart. "Memories are now" ist reichhaltiger (aber trotzdem noch dezent) instrumentiert und bietet einige Musikstile von Singer/Songwriter über Indiefolk, Indiepop, Indierock bis knapp an Grenzen zum Country. Wie schon bei Duke Garwood liegt auch hier die Energie in der Stimme. 

Aktuell erreicht "Memories are now" beachtliche 88/100 Punkte bei Metacritic. Das erklärt auch, warum ich fast alle der neun Titel als Höhepunkte nennen möchte. 

Das Video zu "The lost sky":


"Memories are now" klingt nach:

Mittwoch, 8. Februar 2017

Früher liefen solche Sachen im Musikfernsehen: Wild Beasts - Alpha female

Vom 2016er Album "Boy king" bin ich noch immer begeistert. Zu einem der besten Songs darauf gibt es nun auch ein Video:

Dienstag, 7. Februar 2017

Buch: Franz-Olivier Giesbert - Ein Diktator zum Dessert

























Forrest Gump aus Frankreich.


Ich zitiere die Passage des Buchs, die mich zum lachen brachte:
"Ich vermute, dass ist der Desorganisation der französischen Verwaltung zuzuschreiben. Man kann ihnen keinen bösen Willen unterstellen, sie sind einfach zu ungeduldig, zu aufgeregt, verstehen Sie? Und zu selbstsicher. Alles Amateure, keine Fachleute. Man hat nur Probleme mit ihnen. [...]
Bei den Franzosen muss man auf alles gefasst sein, besonders auf das Schlimmste. In ihrem Größenwahn halten sie sich für brillant. Große Reden schwingen sie alle, aber sobald es ums Handeln geht, ist keiner mehr zuständig. Sie machen sich nicht die Mühe, die Dinge zu durchdenken, sondern schleudern alles hin. Die ändert niemand mehr."
Der französische Autor Franz-Olivier Giesbert legt diese Worte in seinem Roman "Ein Diktator zum Dessert" Heinrich Himmler in den Mund. Himmler ist nur eine der illustren Persönlichkeiten, der die Protagonistin Rose in dieser fiktiven Biographie begegnet. Betrachtet man nur die Stationen ihres Lebens, von armenischem Genozid über ihre Flucht nach Frankreich, die Deportation ihrer Familie, Kontakt zu Nazi-"Größen" und die Wirren der Kulturrevolution in China, könnte man von einer Leidensgeschichte sprechen. Doch der abgeklärte Erzählstil der über 100jährigen Rose nimmt diesen Vorgängen und Personen den Schrecken.

Eine ganze Weile war ich mir unsicher, was ich von "Ein Diktator zum Dessert" halten sollte. Doch die Verknüpfung mit den wahren Geschichten hinten den berühmten Persönlichkeiten und Vorkommnissen erzeugte Spannung und Neugier. Die ganze Weisheit der weitgereisten Dame zeigt sich erst in den letzten Kapiteln des Buchs und Rose konzentriert sie in diesen sieben Geboten: 
  • Lebt jeden Tag auf diesem Planeten, als wäre es euer letzter.
  • Vergesst alles, aber verzeiht nichts.
  • Rächt einander.
  • Traut der Liebe nicht: Man kennt ihren Anfang, aber nicht ihren Ausgang.
  • Lasst niemals etwas in eurem Glas, in eurem Teller oder hinter euch.
  • Schwimmt gegen den Strom. Nur tote Fische schwimmen mit ihm.
  • Geht lebendig aus dieser Welt.
"Ein Diktator zum Dessert" ist eine kurzweilige und in Teilen auch lehrreiche Lektüre, die ohne erhobenen Zeigefinger die eine oder andere Lebensweisheit anbietet und wegen der Verquickung mit bekannten Persönlichkeiten an "Forrest Gump" erinnert. 

Montag, 6. Februar 2017

Musik: Duke Garwood - Garden of ashes

























In der Ruhe liegt die Kraft. 

Lust auf ein neues Mark Lanegan-Album? Ein solches ist bereits angekündigt, aber es gibt bereits jetzt die englische Variante in Form von Duke Garwoods "Garden of ashes". 

Fast genau zwei Jahre nach "Heavy love" veröffentlicht Garwood "Garden of ashes". Seine Stimme ist rau und eindringlich wie immer. Musikalisch klingt es zwar noch stellenweise nach Stoner Rock und Blues, aber im Vergleich zum Vorgänger wurden die Gitarren zurückgenommen und Garwoods Singer-/Songwriter-Qualitäten treten in den Vordergrund. Es ist erstaunlich, welche Kraft, Energie und Tiefe der Engländer mit derart langsamen Songs erzeugt. Der Vergleich zu Nick Cave drängt sich auf. 

"Coldblooded", der Titeltrack, "Hard dreams" und "Move on softly" bringen die Stimmung des Albums in kompakter Form rüber. "Garden of ashes" ist ein Album für ruhige Momente, aber kein beruhigendes Album.

"Coldblooded":



Duke Garwood live:
  • 19.02. Berlin
  • 20.02. Köln

"Garden of ashes" klingt nach:

Sonntag, 5. Februar 2017

Reality trumps comedy

Zwei Wochen Trumps Circus -> Saturday Night Live-Material für Jahre.

Samstag, 4. Februar 2017

Musik: Smile And Burn - Get better get worse

























Gut gelaunt 

Ich zitiere ungern und selten aus Promotexten, aber "acht Jahre, vier Alben und 269 Konzerte" übernehme ich gerne. Smile And Burn aus Berlin sind zweifellos fleißig und einfallsreich. Einfallsreich und vielseitig klingt das aktuelle Album "Get better get worse". Das ist kraftvoll, gut gelaunt aber gar nicht glatt gebügelt. Und ganz wichtig: Der Gesang ist markant und nicht dieses belanglose Gegröle, welches Punk-Rock Bands häufig austauschbar macht. Die Gitarren erinnern mich an einigen Stellen an die Foo Fighters. 

"Bye bye perfect", "All be okay", "Home" und "Suitcase" sind meine Empfehlungen auf "Get better get worse". 

Das Video zu "Good enough" erinnert wahrscheinlich nicht nur mich an "Stop making sense" der Talking Heads:


Smile And Burn auf dem Weg zum 300. Konzert:
  • 10.03. Leipzig 
  • 11.03. Jena 
  • 13.03. München 
  • 14.03. Nürnberg
  • 18.03. Stuttgart 
  • 20.03. Frankfurt 
  • 21.03. Köln 
  • 22.03. Dortmund 
  • 23.03. Hamburg 
  • 24.03. Hannover 
  • 25.03. Bremen 
  • 26.03. Bielefeld 
  • 31.03. Berlin 
  • 09.-13.08. Eschwege - Open Flair Festival
"Get better get worse" ist:

Sympathisch, die schauen gar nicht so ernst und wichtig wie andere Männer des Genres. Gut, dass sie sich nicht den anderen Teil des Bandnamens zu Herzen genommen haben.

Freitag, 3. Februar 2017

Welcome back: Depeche Mode - Where's the revolution

Von Depeche Mode erwarte ich keine Revolution, der erste Song aus dem am 17.03. erscheinenden Album "Spirit" klingt auch nicht einer solchen:


Wer die Herren live sehen möchte, soll sich rasch Karten besorgen:
  • 27.05. Leipzig
  • 05.06. Köln
  • 09.06. München
  • 11.06. Hannover 
  • 20.06. Frankfurt
  • 22.06. Berlin
  • 04.07. Gelsenkirchen

Donnerstag, 2. Februar 2017

Vorhören: Jesca Hoop - Memories are now

Mit Jesca Hoop fand ich sogar Sam Beam gar nicht so langweilig... zumindest auf dem gemeinsamem "Love letter for fire". Auf "Memories are now" lässt sich nun prüfen, was sie alleine leistet. Dort gibt es den Stream vorab

Oder hier:

Mittwoch, 1. Februar 2017

Musik: Sofia Härdig - And the street light leads to the sea

























Mit Anlauf in den Rock-Olymp

Während ich mir "And the street light leads to the sea" anhörte prüfte ich mehrfach, ob mein mp3-Player nicht eigenmächtig in den PJ Harvey Ordner gesprungen ist. Zumindest hätte ich das Gerät für seinen Geschmack gelobt.

So kann ich mich aber darüber freuen, ein richtig gutes Album empfehlen zu können. Die Schwedin Sofia Härdig musiziert schon einige Jahre. Außerhalb ihrer Heimat nahm davon aber kaum jemand Notiz. So konnte die Musikerin ungeniert aus dem eigenen Pool schöpfen und acht ihrer Songs neues Leben einhauchen. Vervollständigt wurde das Werk dann durch zwei Remixe. Das hört sich alles nach Recycling an, klingt aber fast durchgängig umwerfend. Wie eine wütende PJ Harvey in ihrer Post Punk-Phase, die mit Electro und Trip Hop liebäugelt. Ich kann keine Titel empfehlen, das gesamte Album ist stark. 

Das Video zu "Streets":


"Closed eyes":


"And the street light leads to the sea" ist: