Dieser erlösende Moment, wenn man auf das bereits zum Teil ausgefüllte Fahrgastrechte-Formular der Bahn bei "Angekommen bin ich am" doch das gleiche Datum wie das des geplanten Ankunftstages schreiben kann.
Die besten Geschichten schreibt das Leben. Und ich schreibe mit.
Freitag, 9. September 2016
Musik: James Vincent McMorrow - We move
Mit der Überraschung geht auch etwas der Reiz verloren.
Mit "Post tropical" hat James Vincent McMorrow vor zwei Jahren sicher nicht nur mich überrascht. Da wurde aus einem irischen Singer/Songwriter/Folk-Singer ein Soul/R'n'B-Interpret. Den Weg setzt er nun auf seinem dritten Album "We move" konsequent fort. Nach "Singer/Songwriter" klingt das kaum noch, die Indiepop-Momente von "Post tropical" sind ebenfalls verschwunden. Für seinen Mut bewundere ich den Musiker, auch die "Flucht" aus der doch eng besetzten Singer/Songwriter-Nische kann ich nachvollziehen. Er scheint sich mit seinem R'n'B-Entwurf so wohl zu fühlen, dass er in dieser Form auch sehr persönliche Inhalte offenbart. Offenbar hatte er als Teenager mentale und daraus resultierend auch körperliche Probleme und an diesen lässt er seine Hörer teilhaben.
Schon die Auswahl der Produzenten macht klar, dass McMorrow nicht zufällig bei R'n'B gelandet ist. Nineteen85 und Frank Dukes haben u. a. für Drake, Nicki Minaj, Eminem und BadBadNotGood gearbeitet. Mit seiner Falsett-Stimme über sanften elektronischen Beats liefert er eine stimmige aber nicht wirklich spannende Kombination ab. Überzeugen oder gar begeistern kann mich "We move" nicht, aber zumindest in McMorrows Heimat reichte es für Platz 1 der Charts.
Die empfehlenswerten Songs auf "We move" sind "Rising water", "One thousand times", "Get low", "Seek another" und die ruhige Schlussnummer "Lost angles".
Das Video zum Opener "Rising water":
"Evil":
James Vincent McMorrow live:
- 24.10. Berlin
- 26.10. Hamburg
- 27.10. Düsseldorf
"Setz' Dich mal da auf die Trittleiter":
Donnerstag, 8. September 2016
Buch: Lara Lorenz: Unsterbliche: Jäger
So halb gut.
Mmhh.. ein Roman mit Vampiren. Wie kam ich denn dazu? Ab und zu packt mich der Ehrgeiz und ich versuche in Amazons Leihbücherei (alles was es für "Prime"-Kunden umsonst gibt) gute oder zumindest interessante Bücher zu finden. Vor allem im Sommer, da der USP des Kindle nun mal die Beleuchtung ist und man so abends auch bei offenem Fenster lesen kann ohne Stechmückenkolonnen anzulocken. Und bei blutrünstigen Jägern bin ich ja auch schon gleich wieder beim Thema "Vampire".
Meine Auswahlkriterien fürKindle-Leihbücher
- spannend, also Krimi, Thriller oder Science Fiction (leider wird bei Amazon "Science Fiction" mit "Fantasy" vermischt),
- gute Bewertungen, idealerweise nicht nur von weiblichen Lesern,
- ein nicht zu niedriger "Normalpreis", weil dieser bei Amazon durchaus Rückschlüsse auf die Qualität zulässt
- möglichst keine Buchreihe, da es einigen Autoren hier zu offensichtlich um die Leserbindung geht und die jeweilige Idee der Reihe meist nur über ein Buch trägt
- gerne Handlungsorte, die ich kenne
wurden von "Unsterbliche: Jäger" weitgehend erfüllt. Die Story spielt hauptsächlich in London, Spannung unterstellte ich wegen dem Jack The Ripper-Element, es gab tatsächlich fast durchweg positive Bewertungen und einige sogar von Lesern mit männlichen Namen. "Unsterbliche: Jäger" soll zwar der Beginn einer Reihe sein, aber für den ersten Teil sollte die Idee hoffentlich reichen.
Die Handlung des Buches spielt im Jahr 2038. Vampire sind dank einiger "vampirgesellschaftlicher" Konventionen sozialisiert und leben weitgehend unerkannt unter den sterblichen Menschen. "Sucher" unter den Vampiren spüren Vampire auf, "Jäger" kümmern sich um Exemplare, die aus der Rolle fallen. Zwei Jäger finden zusammen, um Jack The Ripper zur Strecke zu springen. Dieser ist nämlich auch ein Vampir und er schlägt alle 50 Jahre nach einem festen Muster wieder zu. Bis hierhin ist das alles noch erträglich und einigermaßen spannend. Vor allem die Verknüpfung von Jack The Ripper mit der Story gefiel mir. Auch die Tatsache, dass abwechselnd aus den jeweiligen Perspektiven der beiden Jäger erzählt wird ist auf der Haben-Seite zu verbuchen.
Aber ich hätte die "romantische" Spannung zwischen den beiden Protagonisten nicht gebraucht. So ein "kriegen sie sich oder nicht" schwingt über die gesamte Buchlänge mit und vergällte mir doch merklich den Spaß am akzeptablen anderen Teil der Geschichte.
Aber ich hätte die "romantische" Spannung zwischen den beiden Protagonisten nicht gebraucht. So ein "kriegen sie sich oder nicht" schwingt über die gesamte Buchlänge mit und vergällte mir doch merklich den Spaß am akzeptablen anderen Teil der Geschichte.
Ich bin desillusioniert, was die Qualität der Werke in Amazons Leihbücherei angeht. Aber der Sommer ist ja bald vorbei und dann kann ich bei Licht am Abend auch wieder "richtige" Bücher lesen.
Mittwoch, 7. September 2016
Zug der großen Geschwindigkeit
Ich habe es schon wieder vergessen... warum sind die Franzosen so stolz auf den TGV? Vermutlich wegen der plüschigen Sitze und der schummrigen Beleuchtung. Wenn nun noch eine Lolita französische Speisen serviert...
Dienstag, 6. September 2016
Musik: Allah-Las - Calico review
Weniger spannend als der Bandname.
Es gibt Bandnamen, da zögere ich bei deren Eingabe während der Internet-Recherche. Wer weiß, in welchem Ministerium oder an welcher Überwachungsstelle die Warnglocken angehen. Doch falls sich die entsprechenden Stellen dann ähnlich viel Mühe machen wie ich, werden sie sich rasch anderen Fällen zuwenden können. Bei Allah-Las handelt es sich um eine 2008 gegründete kalifornische Band, die kürzlich mit "Calico review" ihr drittes Album veröffentlichte.
Falls die Überwachungsbehörde trotzdem nicht locker lässt, sollte sie spätestens nach einem Durchlauf der Platte beruhigt bis eingeschlafen sein: Die Band hängt mit ihren Ideen, ihrer Musik und gar mit dem genutzten Equipment (auf dem schon "Pet sounds" der Beach Boys aufgenommen wurde) so weit in der Vergangenheit, dass man eher an eine Neuauflage eine Musikfestivals mit Blumen in den Haaren denkt als ein eine echte Bedrohung.
Aus etwas psychedelischem Gewummer, Surf- und Garage Rock und viel 60ies Harmonien erschafft die Band pure Wohlfühlatmosphäre und viel Langweile. "Satisfied", "Roadside memorial" und "Terra ignota" sind die relativen Höhepunkte auf "Calico review".
Das Video zu "Famous phone figure":
Lust auf eine relaxte Strand-Party im Herbst?
- 31.10. Hamburg
- 02.11. Berlin
- 04.11. München
"Calico review" ist:
Montag, 5. September 2016
Vorhören: Okkervil River - Away
Okkervil River sind zurück! Es kommt auf dem aktuellen Album "Away" sogar wieder zu einer Zusammenarbeit mit dem früheren Bandmitglied Jonathan Meiburg, der sich ansonsten eher um seine eigene Band Shearwater kümmert. Und Marissa Nadler ist auch mit von der Partie. Als Stream gibt es das Album aktuell dort.
Sonntag, 4. September 2016
Buch: Saša Stanišić - Der Fallensteller
Ein Lesegenuss für Menschen, die nicht nur unterhalten werden möchten.
Auf Saša Stanišić stieß ich, weil seine Erzählweise außerordentlich gelobt wurde. Ich wollte mir nicht vorstellen, dass ein Autor mich allein aufgrund seiner Ausdrucksweise beeindrucken könnte. Doch dann stieß ich in dem Buch auf Sätze (!) wie diesen:
"Der Pizzaalbaner mit Turmkochmütze lässt sich von Mo fotografisch nicht festhalten, protestiert erst: vornehm, sodann, als Mo mit der Kamera in sein Steinofenheiligtum eindringt: wüst, reißt sich seine verführerische Pizzaalbanermütze vom Schädel, will Mo gar den Apparat aus der Klaue hauen, oder tut bloß derart, indem er mit seinem Fuchtelarm: tuntig, gleichwohl nicht ungefährlich!, vor Mos Angesicht fuchtelt, sodass Mo weichen muss, auf den fettigen Fliesen ins Ausgleiten gerät und bei höchster Komplikation in der Manier einer dreizehnjährigen rumänischen Bodenturnerin sensationell mit einem knappen Auf-den-Beinen-Verbleiben den Fliesen den Kuss verweigert." (Aus: "Mo klaut ein surrealistisches Gemälde einer syrischen Surrealistin und will es seinem Vater verkaufen, bzw. egal wem")
Und so überrascht mich ein aus Bosnien-Herzegowina stammender Autor in meiner Muttersprache. Ähnlich viel Spaß hatte ich mit Werken der Autoren Ephraim Kishon und Arto Paasilinna. Bei diesen war mangels meiner Sprachkenntnisse auf die Übersetzungen angewiesen. Da fühle ich mich Stanišić direkt ein Stück näher. So interessant und augenzwinkernd seine Geschichten in "Der Fallensteller" auch sind, sie treten ein Stück hinter das Vergnügen allein mit der Ausdrucksweise des Autors zurück. Das mag vielleicht auch der Tatsache geschuldet sein, dass es sein bei "Der Fallensteller" um eine Sammlung von meist kurzen Erzählungen handelt, von denen einige aufeinander aufbauen. Es gibt auch Zusammenhänge zum Roman "Vor dem Fest". Vielleicht sollte ich mich diesem auch noch widmen. Wie sonst soll man etwas über das Leben in einem Dorf in der Uckermark erfahren?
Den Kern des Buchs bildet die knapp 90 seitige titelgebende Erzählung. Aus ihr stammen auch diese kleinen Highlights:
Für die Lektüre des Buches ließ ich mir ungewöhnlich viel Zeit, weil ich den Lesegenuss "strecken" wollte. Ich empfehle "Der Fallensteller" allen, die mal wieder richtig Spaß an und mit der deutschen Sprache haben möchten. Dieser kommt in Tweets und anderen Beiträgen in sozialen Netzwerken ja doch meist zu kurz.
Diesen Monat werden zwei Lesungen mit dem Autor veranstaltet:
Den Kern des Buchs bildet die knapp 90 seitige titelgebende Erzählung. Aus ihr stammen auch diese kleinen Highlights:
"Und 'Lämmchen' ist- wenn es sich um ein tragisches handelt - in der deutschen Sprache derart mit Traurigkeit umwoben wie höchstens noch die Wortfolge. "in Sachsen-Anhalt Weihnachten allein verbringen als alte Frau."
"Ehrliche Menschen verkleiden sich nicht, siehe Rheinland. Den Rheinländern kannst du eigentlich überhaupt nicht trauen, die verkleiden sich permanent, und es ist auch kein Wunder, dass es bei denen die wenigsten Selbstmörder gibt, die betrügen sogar sich selbst mit ihrem Optimismus."
Für die Lektüre des Buches ließ ich mir ungewöhnlich viel Zeit, weil ich den Lesegenuss "strecken" wollte. Ich empfehle "Der Fallensteller" allen, die mal wieder richtig Spaß an und mit der deutschen Sprache haben möchten. Dieser kommt in Tweets und anderen Beiträgen in sozialen Netzwerken ja doch meist zu kurz.
Diesen Monat werden zwei Lesungen mit dem Autor veranstaltet:
- 14.09. Geisenheim
- 15.09. Kassel
Samstag, 3. September 2016
Musik: Nils Petter Molvaer - Buoyancy
Blechblasmusik maximal entfremdet.
Wenn ich schon bei Blechbläsern bin, darf Nils Petter Molvaer nicht fehlen. Obwohl seine Alben wirklich selten nach "Blechbläsern" klingen. Mit seiner Trompete, elektronischen Mitteln und tollen Musikern an seiner Seite kreiert er immer wieder beeindruckende Soundlandschaften.
Zwei Jahre nach "Switch" erscheint nun "Buoyancy". Anscheinend hat der Trompeter gefallen gefunden am Bandgefüge. Beide Alben wurden mit den gleichen Studiomusikern aufgenommen. Madrugada-Schlagzeuger Erland Dahlen war bereits zuvor an dem starken "Baboon moon" beteiligt. Geir Sundstøl ersetzte auf "Switch" den unersetzlichen Stian Westerhus und seine unfassbar vielseitigen Gitarrenkünste steuert er ebenso wieder bei wie Jo Berger Myhre, der so ziemlich alle anderen Instrumente beherrscht.
NPM-Alben setzen sich fast immer aus ruhigen Passagen und unbändigen Ausbrüchen zusammen und ergeben so Gesamtkunstwerke. Die Highlights auf die man sich im Laufe dieser Platte besonders freuen kann sind "Moute Cave" mit "Jackson Reef" und "Amed".
Statt eines Videos gibt es ein paar Songschnipsel:
NPM live kann man gar nicht nachdrücklich genug empfehlen:
- 01.10. Friedrichshafen
- 07.10. Dresden
- 08.10. Dortmund
- 09.10. Marburg
- 10.10. Salzburg (AT)
- 12.10. Innsbruck (AT)
- 13.10. Elmau
- 14.10. Landsberg
- 22.10. Frankfurt
- 26.10. Mannheim
- 29.10. Neuhardenberg
Freitag, 2. September 2016
Hörbuch: Andreas Martin Hofmeir - Kein Aufwand
Ein Muss für alle Tuba-Bläser. Und für andere Blechbläser. Und für viele Musiker.
Der Name Andreas Martin Hofmeir lässt vermutlich nur wenigen Lesern ein "ach der" über die Lippen kommen. "LaBrassBandas Tubist" ist wohl ein wirkungsvollerer Aufhänger.
Doch Hofmeir ist eben nicht nur Tubist sondern auch ein waschechter Bayer, Kabarettist und Vollblutmusiker. Auf sympathische Art erzählt er auf "Kein Aufwand" trocken aus seinem Leben. Vieles darin dreht sich um Musik von Jugend über Studium bis zu Tourneen. Wem Barth & Co. zu platt sind, dem sei der relativ subtile Humor Hofmeirs ans Herz gelegt. Ich fühlte mich über die gesamte Laufzeit gut unterhalten und der ein oder andere Zugreisende erfreute sich auch an meiner Freude. Die Berechnung des "Pro-Ton-Einkommens" von Geigern und Tubisten ließ mich laut lachen. Für Blasmusiker ist dieses Hörbuch ein Muss.
Erwähnenswert ist Hofmeirs Sidekick Guto Brinholi, der extra für diese Auftrittsreihe seine Gitarrenkünste aus der Kiste kramte und auf dessen Kosten der ein oder andere Witz auf "Kein Aufwand" gemacht wird.
Bis vor kurzer Zeit hatte ich noch nie ein Hörbuch gehört. Üblicherweise greife ich lieber zum Buch. Da bedurfte es schon eines bayerischen Tubisten, um das zu ändern. Allein die Aussicht auf einige Songs boten schon genug Mehrwert. Und es ist auch sympathisch, dass man Hofmeirs Geschichten bei diesem Live Mitschnitt aus seinem eigenen Mund hört. Ein Bayer der versucht, Hochdeutsch zu sprechen ist ja an sich schon Stück weit Comedy.
Kostprobe gefällig?
"Kein Aufwand" ist:
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