Die besten Geschichten schreibt das Leben. Und ich schreibe mit.

Donnerstag, 30. November 2017

Musik: Lost Horizons - Ojalá

























Viele Sänger und vieeel Atmosphäre. 

Mit ihren verträumten und melancholischen Klängen beeinflussten die Cocteau Twins einige Bands, die im Rahmen des Shoegaze-Revivals wiederbelebt wurden. Nach dem Ende der Band war Elizabeth Fraser als Gastsängerin gefragt. Massive Attacks Hit "Teardrop" ist der wohl größte Hit, auf dem ihre Stimme zu hören ist. Die anderen beiden Überbleibsel der Band in Form von Robin Guthrie und Simon Raymonde gründeten 1997 das Label Bella Union. Seit 2000 führt es Raymonde alleine. Bella Union war und ist die Heimat einiger toller Künstler, darunter die Fleet Foxes, John Grant und The Low Anthem. 

Musikalisch wirkte Raymonde somit 20 Jahre im Hintergrund (bis auf das Snowbird-Album "Moon" im Jahr 2014). 2015 gründete er mit dem Drummer Richie Thomas (der auch mal bei The Jesus And Mary Chain trommelte) Lost Horizons. In einer viertägigen Studiosession mit Raymonde am Klavier und Thomas am Schlagzeug schufen sie die Basis für deren Debüt "Ojalá", welches nun veröffentlicht.

Musikalisch bietet "Ojalá" auf den ersten Blick wenige Überraschungen: Die 15 Songs basieren auf melancholischem Dreampop, Indie, Ambient-Klängen und an die Cocteau Twins wird man auch stellenweise erinnert. Doch all das bietet auch nur die Bühne für die stattliche Anzahl von Sängerinnen und Sängern, die Raymonde dank seines Netzwerks und Labels rekrutieren konnte. Zu hören sind nicht weniger als zehn Stimmen, dabei u. a. Marissa Nadler, Tim Smith (ehemals Midlake), Cameron Neal (Horse Thief) und im Background sogar Sharon Van Etten. Einige dieser Sänger und Sängerinnen steuern zu dem Album eine gehörige Portion "Soul" bei und / oder sie prägen die Titel merklich. Auffällig ist der Opener "Bones", auf dem die Sängerin Beth Cannon ihr Repertoire zwischen Tori Amos uns Bonnie Tyler aufbietet. Tim Smith' Stimme in Kombination mit der Komposition lässt "She led me away" als Midlake-Song durchgehen. 

Mein absoluter Favorit auf "Ojalá" ist "This tide" mit Phil McDonnells am Mikrophon. Der Totel haat es auf meine Liste der Songs 2017 geschafft. Positiv fielen mir außerdem "Asphyxia", "Reckless", "She led me away" und "Give your heart away" auf. Darüber hinaus muss man Dreampop schon gerne mögen, um "Ojalá" über Albumlänge genießen zu können. Vor lauter Atmosphäre hat man während der Produktion vielleicht doch ab und zu den Horizont aus den Augen verloren. 

"Score the sky":


"I saw the days go by":


"Ojalá" klingt nach:

Mittwoch, 29. November 2017

Version wars: Dirk Darmstaedter vs. Deine Lakaien vs. City

Und was blieb von der DDR übrig?
Citys "Am Fenster".

Aus Anlass des 40. Geburtstags des Songs spielten einige Künstler Cover-Versionen ein. Unter ihnen auch

Dirk Darmstaedter


und Deine Lakaien


Auf die lange Originalversion verzichte ich, statt dessen noch 3:30 Minuten Ostalgie:

Dienstag, 28. November 2017

Musik: Karl Blau - Out her space

























Nun gibt es auch "Indiedub". 

Karl Blau ist ein musikalischer Tausendsassa aus dem Nordwesten der USA. Sein musikalischer Dunstkreis reicht bis zu Künstlern wie Matthew E. White, Mount Eerie / The Microphones und Lake. An der idyllischen Washington State Küste werkelt er schon gut 20 Jahre an seiner Musik, den Sprung nach Europa wagte er (und ein Label) erst im Jahr 2016. "Introducing Karl Blau" war eine Sammlung von Cover-Versionen von Country-Hits, nun wagt es Karl Blau mit eigenen Songs erneut. Aber auch ohne offensichtliche Neu-Interpretationen erinnert er auf "Out her space" durchaus an andere Künstler und Stile. 

Der Opener "Slow children" ließ mich Paul Simons "Graceland" als Referenz notieren. Im weiteren Verlauf des Album kommen noch weitere Afro-Pop/World Music-Assoziationen, Jazz, Indierock und zumindest etwas Country zum Vorschein. Wirklich außergewöhnlich wird es dann bei Karl Blaus Indie-Variante von Dub. Lo-Fi-Charme und verschrobene Jam-Momente treffen auf eine fast schon britische Melodieverliebtheit.

"Slow children", "Beckon" und "Blue as my name" sind meine besonderen Empfehlungen für dieses Album voller unaufgeregter aber schmeichelnder Songs.

Diese Live-Version von "Slow children" klingt auf dem Album merklich weniger nach Country:


Die Tour im November/Dezember wurde abgesagt und Ersatz im Frühjahr 2018 in Aussicht gestellt.

"Out her space" ist:

Montag, 27. November 2017

Same procedure...

Weihnachtsmarkt 2017 in Ulm

Samstag, 25. November 2017

Früher liefen solche Sachen im Musikfernsehen: OK Go - Obsession

Bei den Aufnahmen zu diesem Video musste kein Drucker leiden!

Freitag, 24. November 2017

Musik: Pale Seas - Stargazing for beginners
























Die Jahresbestenlisten sind noch nicht geschrieben. 


Bei den unzähligen Shoegaze-Veröffentlichungen der letzten beiden Jahre habe ich eine Aversion gegen Künstler entwickelt, die diesem Teil der Musikgeschichte weitere Kapitel hinzufügen meinen zu müssen. Daher stimmte mich der Titel "Stargazing for beginners" skeptisch: Klar, Sterne sind potentiell spannender und vielfältiger als Schuhe, aber "gazing" klingt nun mal bedrohlich passiv.

Der Opener "Into the night" beginnt noch verhalten, aber wenig später entführen Indie-Klänge und Jacob Scotts markante Stimme in vertraute Atmosphären. Mit "My own mind" folgt direkt darauf ein starker Titel um den Weg zu bereiten für den anschließenden Hit "Someday". Schon nach drei Titeln fühlte sich dieses Album an wie eine neue Bekanntschaft, die sich sofort vertraut anfühlt. Das Niveau dieses Starts kann "Stargazing for beginners" nicht halten, aber mit "Animal tongue" folgt noch mindestens ein weiteres Highlight.

Hinter diesem Werk steht die englische Band Pale Seas. Dieses Debüt sollte eigentlich schon vor zwei Jahren erscheinen: Als Vorgruppe von The War On Drugs und mit aussichtsreicher Präsenz im Radio war der Weg geebnet. Doch die Band zog die Reißleine und sich noch einmal zurück ins Studio. Mit dem The Verve-Produzenten Chris Potter (der u.a. auf "Urban hymns" mitarbeitete) nahmen sie auf der Isle Of Wight ein intensives Album auf, welches für mich einen der Indierock-Lichtblicke des Jahres 2017 darstellt. Obwohl "Lichtblick" der dunklen Stimmung und den stellenweise bedrückenden Lyrics nicht ganz gerecht werden kann. Die Songs wurden meist mitten in der Nacht aufgenommen und nach Möglichkeit in einem Take. 

Als Referenzen werden u. a. Neil Young (vermutlich wegen einer entfernten Ähnlichkeit der Stimme), PJ Harvey und Elliot Smith genannt.  Wegen der androgynen Stimme fühle ich mich an JJ 72 und Cigarettes After Sex erinnert. "Cigarettes After Sex mit etwas Elan" ist ein passender Vergleich. 

Der Hit "Someday":


"Into the night" und "Blood return":


"Stargazing for beginners" ist:


Donnerstag, 23. November 2017

Musik: King Gizzard & The Lizard Wizard - Polygondwanaland

























Auch mit dem vierten Album in laufenden Jahr noch für Überraschungen gut. 

Fünf Alben hat King Gizzard & The Lizard Wizard für dieses Jahr angekündigt. Im Februar wurde mit "Flying microtonal banana" die mir bis dahin unbekannte mikrotonale Gitarre zelebriert. "Murder of the universe" war mit seinem Konzept aus drei Geschichten und wirrster Kombination von Musikstilen arg schwer zu greifen. Dagegen wirkte die jazzige Easy Listening-Kollaboration "Sketches of Brunswick East" mit dem Mild High Club schon wie eine Beruhigungspille. Mit Blick auf den Kalender war ich gepannt, ob die australische Band ihr Ziel noch erreichen würde. 

Nun erschien eigentlich nicht überraschend (man muss ja dieses Jahr ständig mit einem neuen Werk der Band rechnen) aber in dieser Form unerwartet das vierte Album des Jahres 2017 (und das zwölfte seit 2012). Ein Album zu verschenken ist keine neue Idee, aber King Gizzard & The Lizard Wizard legten gleich noch die Master-Dateien für die Produktion von CDs und auch LPs drauf. Findige Zeitgenossen generierten daraus umgehend ein Angebot wie diese Kickstarter-Kampagne. 

Die Band schafft es zweifellos, durch ihre Veröffentlichungspolitik Aufmerksamkeit zu erlangen. Aber auch die Musik an sich verdient diese. 

Der zentrale Track auf "Polygondwanaland" ist der zehnminütige Opener "Crumbling castle":

Als wesentlich kürzere Demo-Version ist dieser bereits vor gut einem Jahr aufgetaucht. Über seine Spieldauer zeigte er einige musikalischen Ideen, welche auf den Alben dieses Jahres erneut aufblitzten. Vielleicht hat diese Band tatsächlich einen Masterplan im Kopf und lebt nicht nur von im Delirium ersonnenen Gehirnfürzen. 

In seiner Gesamtheit ist "Polygondwanaland" hörbarer als "Murder of the universe", es basiert nicht auf einem neuen Musikinstrument und eine Jazz-Band als Partner war auch nicht nötig. Bei Album Nr. 1 des Jahres war ich skeptisch, ob die Ideen für fünf abwechslungsreiche Werke ausreichen. Inzwischen bin ich gespannt, welche Überraschung Nr. 5 für uns bereithalten wird. Es würde mich wundern, wenn es nicht psychedelisch klingen würde. Auf jeden Fall ist es erstaunlich, wie gut ich mich über diese vier Alben an die Verrücktheit der Band gewöhnt habe. Aus diesem Blickwinkel halte ich die Flut an Veröffentlichungen in einem Jahr für einen geschickten Zug. 

"Polygondwanaland" ist:

Mittwoch, 22. November 2017

Regiomat

Solche Automaten sind mir in jüngerer Zeit schon aufgefallen, aber diese Woche erwischte ich einen in freier Wildbahn und ich bannte ihn auf ein Bild:


Dieser erlaubt es dem Kunden, sich jederzeit mit lebensnotwendigen Lebensmitteln aus der Region zu versorgen. Dazu zählen u. a.

  • Vier Sorten Honig
  • Alblinsen
  • Schweinebraten
  • Diverse Konfitüren
  • Maultaschen (konventionell oder vegetarisch)
Die "Region" sollte durch das Warenangebot eindeutig zu bestimmen sein. 

Dienstag, 21. November 2017

Konzert aus der Konserve: Billy Corgan - Tiny desk concert

Billy Corgan aka William Patrick Corgan am Tiny desk mit Streichern und diesem Songs:
  • Tonight, tonight
  • Aeronaut
  • Mandarynne