wir müssen mal über Erwartungen und Enttäuschungen sprechen. Vor WannaCry zeigte dieser Bildschirm Abfahrtinformationen. Nun macht er seit Wochen nichts mehr.
Aber noch viel wichtiger: Eine Kühltreue lässt auf Eis hoffen. Aber diese ist leer.
Der Film zu diesem Soundtrack gehört noch gemacht.
Am 04.07. werden viele Menschen in einem Stadion in Gelsenkirchen stehen und auf Hits ihrer Jugend warten. Während dieser Zeit werden sie beschallt werden von Algiers und hoffentlich aufmerksam genug sein um zu merken, was sie da gerade erleben. Die Band aus Atlanta ließ schon vor zwei Jahren mit der Mischung aus Gospel/Soul und Punk-Rock auf ihrem gleichnamigen Debüt aufhorchen. Nun legt sie mit "The underside of power" mehr als eindrucksvoll nach.
Franklin James Fishers Stimme verleiht Algiers den Soul und Passagen einiger Titel wären damals in der Sendung "Soul Train" nicht negativ aufgefallen. Zugesteuert wurden nun verstärkt stellenweise wirklich trocken harte Electro/Dance- (Trip Hop, Dub, Big Beat) oder gar Industrial-Rhythmen. Vermutlich hatte der Produzent Adrian Utley von Portishead Anteil an dieser Entwicklung. Und das alles geschieht über einer dystopischen Grundstimmung. Der Film zu diesem Soundtrack gehört noch gemacht. So entwickelte er sich während der Durchläufe in meinem Kopf. Und er ist gut.
Die Highlights sind "Walk like a panther", "Cry of the martyrs", "Death march" und "Animals". Und der Rest ist auch umwerfend.
Das Video zum Titelsong:
"Cleveland":
Am 04.07. werden Algiers als Depeche Modes Support in Gelsenkirchen auftreten.
In Australien ist Winter und als Gruß senden uns die Geschwister Angus und Julia Stone die Single "Snow". Es handelt sich um den Vorboten des vierten Albums.
Die Tour zum Album folgt im Herbst:
11.10. Köln
13.10. Stuttgart
29.10. Wiesbaden
30.10. Berlin
03.11. München
05.11. Hamburg
Zu den Terminen passen dann die Winterjacke und der Titel der Single.
Mit seinen 23 Jahren verschafft Trevor Sensor aus Illinois auf seinem Debüt "Andy Warhol's dream" dem Folk-Rock eine Frizschzellenkur. Dank seiner Folk-/Americana-Einflüsse und stellenweise luftiger Melodien verfliegt der Folk-Rock-Mief weitgehend. Sensors Stimme ist dabei Fluch und Segen zugleich. Sie passt gut zu diesem Konzept, in dieser Form kann man sie sich aber auch kaum in einem anderen Kontext vorstellen. Mal sehen welche Musik Sensor macht, wenn sein Alter den Klang seiner Stimme eingeholt hat. Um das Publikum bei der Stange zu halten, muss er sich bis dahin noch ein paar Dinge einfallen lassen.
Produziert wurde "Andy Warhol's dream" von Foxygens Jonathan Rado und Richard Swift (The Shins, Damien Jurado, Foxygen). Als Band fungierten Musiker von Whitney.
So eingängig sind die kleinen, feinen Melodien zwischen Kinderlied und Jingle, so markant ist der Gesang, der klingt, als würden Henning May und Marcus Mumford wild übereinander herfallen und rumknutschen. Sensor spielt dazu einen performativen Americana ohne folkloristische Attitüde. Das Lagerfeuer bleibt dem Hörer dankenswerterweise und geschmackssicher erspart, stattdessen radelt er auf einem Faltrad nonchalant durch die von The Shins oder Foxygen gezeichneten Suburbs.
Meine Anspieltipps sind "Lion's pride", "The reaper man" und "Starborne eyes".
Die Setliste des Radiohead-Gigs bei Glastonbury kann sich sehen lassen: Alle Alben wurden bedacht und wegen des Jubiläums der Schwerpunkt auf "OK Computer" gelegt.
Father John Mistys drittes Album "Pure comedy" erschien bereits vor einigen Wochen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hatte ich mich schon mit diesem befasst, aber es ging neben anderen Alben unter. Als ich nun "Crack-up" der Fleet Foxes hörte, kam mir "Pure comedy" wieder in den Sinn. Während der Aufnahmen und Tour zu "Helplessness blues" agierte Josh Tillman aka Father John Misty als Schlagzeuger der Band. 2012 verließ er sie wieder. Im gleichen Jahr erschien sein Debüt unter dem Pseudonym Father John Misty. Vorher hatte er bereits acht Platten als J Tillman veröffentlicht.
Als Father John Misty lässt er seiner Kreativität freien Lauf. Das Vorgängerwerk "I love you honeybear" war ein sehr vielseitiges Werk. Es bedurfte der Interpretation als Konzeptalbum, um eine Klammer zu erkennen. "Pure comedy" benötigt diesen Kunstgriff nicht. Erschien mir Tillmans Stimme auf dem Vorgänger zu glatt und austauschbar, macht sie im Kontext von "Pure comedy" mehr Sinn. Die prägenden Stilelemente sind Kammerpop und orchestrale Arrangements. Dazu passt seine Stimme gut. Verknüpft mit der Idee, dass es sich auch ein Stück weit um "Comedy" handelt ist das Gesamtwerk ein Gegenentwurf zum verkopften Indiefolk seiner Ex-Band.
Über Albumlänge macht mich "Pure comedy" wegen der fehlenden Ecken und Kanten unruhig bis aggressiv. Man ist ja auch Spieldauern über 70 Minuten kaum noch gewohnt. In kleineren Dosen kann ich "Pure comedy" als Abwechslung empfehlen. "Total entertainment forever", "Ballad of the dying man", "Leaving LA", "Smoochi" und "So I'm growing old on Magic Mountain" sind für mich die besten Titel auf "Pure comedy".