Die besten Geschichten schreibt das Leben. Und ich schreibe mit.

Donnerstag, 30. Juni 2016

Pharrell - Lieber passiv als aktiv

Wahrscheinlich kennt die Welt dieses Video schon. Mir war es heute neu. Musikstudenten spielen Pharrell Williams ihre Songs vor. Seine Reaktion auf "Alaska" (ab ca. Minute 20) ist sehenswert.


Ich mag Pharrell lieber wenn er Musik hört, als wenn er sie selbst macht.

Mittwoch, 29. Juni 2016

Musik: Twin Peaks - Down in heaven


Mäßig spannender dritter Aufguss

Die Serie Twin Peaks wirbelte 1990 die Landschaft der TV-Serien auf. Frische und unkonventionelle Ideen fesselten das Publikum ebenso wie die spannende Suche nach Laura Palmers Mörder. Direkt ein Jahr später wurde die zweite Staffel nachgeschoben. Mit 22 Episoden geriet diese etwas lang und nach der Auflösung der zentralen Frage der Serie war die Luft weitgehend raus. Nächstes Jahr soll die dritte Staffel gesendet werden. Bei aller Vorfreude bin ich skeptisch und erwarte eine ähnliche Enttäuschung wie durch den Akte X-Aufguss. 

2013 erschien mit "Sunken" das Debüt der Chicagoer Band Twin Peaks. Diese frische und freche Werk hatte die Band mit einfachen Mitteln und GarageBand im Keller aufgenommen. Schon ein Jahr später erschien mit "Wild onion" der Nachfolger, der etwas ausgefeilter klang aber im Grunde die Linie des Debüts fortsetzte. Erlaubt das kürzlich veröffentlichte dritte Album "Down in heaven" einen Ausblick auf die dritte Staffel der TV-Serie? Natürlich nicht. Vor allem werde ich nächstes Jahr nachdem ich die neuen Episoden geschaut habe kaum an dieses Album zurückdenken. Dafür fehlen die Einstellungsmerkmale oder gar erwähnenswerte Hits. "Wanted you", "Cold lips" und "Holding roses" sind die besseren Songs auf "Down in heaven". Ansonsten ist die Mischung aus Indierock, Indiecountry, Surf Rock und Garage Rock zwar irgendwie lässig aber auch weitgehend austauschbar. Das haben die ganz alten Ikonen (Beatles, Stones, Stooges) oder deren Reinkarnationen (sogar die Strokes) schon ähnlich gut hinbekommen. Und das ganz ohne Garageband. Man mag anerkennen, dass die Band gereift ist, aber mit Verlust der Garage-Mentalität ging m. E. auch der Großteil des Twin Peak-Reizes abhanden. 

Das Video zu "Butterfly":



"Down in heaven" ist:

Dienstag, 28. Juni 2016

Version wars: Fall Out Boy vs. J-Pop vs. Ray Parker Jr.

Na da sollte doch für jeden Geschmack etwas dabei sein.

Klassisch:


Komödiantisch:


Und, nun ja... mutig:

Montag, 27. Juni 2016

Film: Lucy

























Weit unter den Möglichkeiten...

Luc Besson, Scarlett Johansson und Morgan Freeman: Allein diese Namen machten mit neugierig auf "Lucy". Für einen Kinobesuch reichte es dann nicht, doch nun als Inhalt eines Streaming-Angebots sah ich mir den Film aus dem Jahr 2014 an. 

Die Story dreht sich um das Thema, mit dem auch schon Scientology warb: "Wir nutzen nur 10% unseres geistigen Potentials". Johansson als unfreiwillige Drogenschmugglerin erreicht am Ende des Films 100% und auf dem Weg dahin wird sie zunehmend cleverer und stärker. Ihre Action-Szenen sind glaubhafter als die in den Avengers-Filmen. 

Leider nutzt der Film das Potential der Story auch eher nur zu 10%. Ich fühlte mich ständig an andere Filme erinnert: Ein wenig Matrix, Superhelden-Story, ein Drehort in Asien für das asiatische Publikum. Wirklich gut war der Schnitt von Jagdszenen aus dem Tierreich passend zur Handlung im Film. Das waren dann die 10%...

Sonntag, 26. Juni 2016

Version wars: Portishead vs. Abba

Eigentlich schon überall gelaufen, aber zu gut um nicht gezeigt zu werden:

Zum Vergleich Abbas Version:
 

Samstag, 25. Juni 2016

Musik: The Temper Trap - Thick as thieves

























Abgetaucht in die musikalische Beliebigkeit

Schon mit dem starken Debüt "Conditions" im Jahr 2009 war The Temper Trap eine Band, die vornehmlich durch Vergleiche mit anderen Bands beschrieben werden konnte. 2012 zeigte der Nachfolger "The Temper Trap" zwar eine musikalische Entwicklung, aber wirklich willkommen war diese nicht. Das erinnerte dann doch schon zu sehr an beliebigen Pop.

Nun nähern sich die Australier mit ihrem dritten Werk "Thich as thieves" wieder etwas den Gitarren des Debüts an. Hinzu kommen Electropop-Momente wie z. B. bei "Fall together". Eine wirkliche Weiterentwicklung ist das nicht. 

Gleich drei Produzenten sorgten für eine aus handwerklicher Sicht runde Produktion: Damian Taylor hatte mit Austras "Feel it break" bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Produziert hat er außerdem u. a. Björks "Volta" und "Biophilia", "Battle born" von den Killers sowie für A, The Prodigy und UNKLE. Ben H. Allen III war u. a. für Fanfarlos "Rooms filled with light" und Bombay Bicycle Clubs "So long, see you tomorrow" verantwortlich. Jusin Parker schließlich schaffte gemeinsam mit Lana Del Rey seinen Durchbruch. 

"Thick as thives" landet so zwischen Indierock, Electropop und U2-Hymnen. Positiv fallen der Titelsong (um mal wieder Vergleiche zu bemühen: Editors), "Alive" und "Tombstone" auf. Ansonsten sind die Titel wirklich austausch- und verzichtbar. 

"Fall together" (beginnt nach ca. 45 Sekunden Interview):



Am 19.08 wird die Band auf dem Frequency Festival in Wien und am 11.09. im Rahmen des Lollapalooza-Festivals in Berlin auftreten.

"Thick as thieves" klingt nach:

Freitag, 24. Juni 2016

Inseln

Früher wurden unkontrollierbare Experimente auf Atollen im Pazifik verbrochen. Nun macht man sie auf Inseln in der Nordsee.

Donnerstag, 23. Juni 2016

Früher liefen solche Sachen im Musikfernsehen: Swain - Punk-Rock Messed You Up, Kid!

Wer Routine nicht mag, ändert auch mal den Bandnamen von This Routine Is Hell in Swain. Lust auf etwas Punk mit etwas Grunge?



Rund um die Veröffentlichung ihres Albums im September wird die Band als Support bei John Caffeys (also der Band, nicht des Herrn aus "The Green Mile") Tour unterwegs sein:

  • 07.09. Hamburg
  • 08.09. Berlin
  • 09.09. Nürnberg
  • 10.09. Köln

Mittwoch, 22. Juni 2016

Musik: Jambinai - A hermitage

























Krachig, aber nicht zu anstrengend. Und irgendwie mächtig. 

Die Pressemitteilung zu "A hermitage" machte mich mit dieser Aussage neugierig:
South Korean trio Jambinai sound less like a band than a force of nature, fusing the full dramatic range of post-rock dynamics to Korean folk roots to create an exhilarating, vivid and unique fusion.
Ich hatte nur eine grobe Vorstellung, wie koreanische Folkmusik klingen könnte. Doch wenn man von diesem zugegebenermaßen anspruchsvollen Mix Post-Rock, Drone, Experimental und Metal abzieht, dann bleibt wohl eben diese übrig. 

Passenderweise fanden die drei Musiker hinter Jambinai vor ca. sieben Jahren während ihres Studiums traditioneller koreanischer Musiker zueinander. Durch die Kombination traditioneller koreanischer Instrumente mit Gitarren erzeugen sie eine wirkliche hörenswerte Spannung zwischen sphärischen Phasen und manischen Ausbrüchen. Obwohl fast ausschließlich instrumental gehalten, klingt dieses zweite Album der Band keinen Moment langweilig sondern fast durchgängig fesseln und stellenweise sogar mitreißend. "A hermitage" ist nichts für zarte Ohren, aber durchaus eine kleine Überwindung wert. 

Meine Anspieltipps sind "Wardrobe", "Echo of creation", "Abyss" und "The moutain".

"They keep silence" ist ein trügerischer Songtitel:

Das Video zu "For everything that you lost":

Jambinai live (z. T. auf Festivals):
  • 08.07. Rudolstadt
  • 15.07. Ottensheim (AT)
  • 22.07. München
  • 07.08. Berlin
  • 12.08. Haldern Pop
"A hermitage" klingt nach:

Dienstag, 21. Juni 2016

Bitte mal durchzählen

Ich halte Russen für die mutigsten Menschen der Welt. Zumindest wenn sie für ihr Land an der Fußball EM teilgenommen haben und sie wieder in ihre Heimat reisen...

Montag, 20. Juni 2016

Wann war das denn? Und wo?

Toll. Indizien zur Altersbestimmung von Landkarten.


Sonntag, 19. Juni 2016

Karnevalisierung

Köln... da hat selbst ein Flohmarkt etwas von Karneval.


Samstag, 18. Juni 2016

Früher liefen solche Sachen im Musikfernsehen: Trade Wind - Lowest form

Das Album "You make everything disappear" wird erst nächsten Monat erscheinen, doch schon jetzt machen der Song "Lowest form" und das Video dazu Lust auf die Veröffentlichung:



Bis zum 15.07. ist es nicht mehr so lang. Vielleicht wird es bis dahin ja auch Sommer.

Freitag, 17. Juni 2016

Früher liefen solche Sachen im Musikfernsehen: Kakkmaddafakka - May god

"May god" hatte ich als einen der stärksten Titel auf Kakkmaddafakkas aktuellem Album "KMF" identifiziert. Nun gibt es ein Video dazu:



Dieser Song wird bestimmt auch bei den kommenden Auftritten (z. T. im Rahmen von Festivals) dargeboten:

  • 27.07. Jena - Kulturarena
  • 29.07. Elend - Rocken Am Brocken
  • 30.07. Dangast - Watt En Schlick Fest
  • 20.08. Hamburg - MS Dockville
  • 28.09. Wien (AT) - Flex 
  • 30.09. Karlsruhe - Substage
  • 01.10. Dortmund - Way Back When Festival

01.10. Dortmund - Way Back When Festival

Donnerstag, 16. Juni 2016

Musik: Sam Beam & Jesca Hoop - Love letter for fire


























Weniger langweilig als erwartet. 


Singer/Songwriter bzw. deren Musik kann mich langweilen. Ein gutes Beispiel dafür ist Sam Beam aka Iron & Wine. Stellenweise hochgelobt, habe ich mehrfach versucht, mir seine Musik schönzuhören. Es gelang mir bislang nicht.

Daher begegnete ich seinem Duett-Album mit Jesca Hoop skeptisch. Ihr Name sagte mir nichts, aber da auch sie als "Singer/Songwriter" bezeichnet wird, erwartete ich bestenfalls Langweile². In einem schwachen Moment ließ ich "Love letter for fire" dann doch anlaufen und auf Anhieb packte mit der Song "Midas tongue". Bei den weiteren Durchhängen notierte ich dann auch noch "The lamb you lost", "Chalk it up to Chi" und mit Einschränkungen "Every songbird says" auf der Haben-Seite.

Meine Einschätzung zu Sam Beam habe ich kundgetan, daher schreibe ich die belebenden Einflüsse auf "Love letter for fire" Jesca Hoop zu. Ihr Lebenslauf bestätigt mich in dieser Annahme. 1975 in Kalifornien als Tochter zweier Mormonen geboren, waren gemeinsame Gesänge angeblich ein wesentlicher Bestandteil des Familienlebens. Mit diesem Familienleben war mit der Scheidung der Eltern dann Schluss. Zwei Jahre später, mit 16, wandte sie sich vom Mormonentum ab. Eine Weile lebte sie unter einfachsten Verhältnissen in der Wildnis. Damit qualifizierte sie sich für ihre anschließende Beschäftigung als Überlebenstrainer für schwer erziehbare Kinder. Irgendwie wurde sie danach in Los Angeles das Kindermädchen von Tom Waits' Kindern. Er und seine Frau Kathleen Brennan förderten Hoops musikalische Weiterentwicklung und sie gaben die nötigen Anstöße für ihren Einstieg in die Musikbranche. Dort brachte sie es bislang auf vier Alben, zwei EPs und zur Zusammenarbeit mit Künstlern wie Peter Gabriel (als Backgroundsängerin), Guy Garvey und Shearwater. Elbows Tourmanager lockte Hoop zwischenzeitlich nach Manchester, wildniserprobt brachte sie auch dort ein Album zu Stande. Ich denke dieser bunte Lebenslauf unterstützt die Vermutung, dass sie auf "Love letter for fire" als Inspiration und zumindest auf mentaler Ebene als Jungbrunnen für den etwas jüngeren aber trotzdem schon verstaubt klingenden Beam wirkte. 

"Love letter for fire" geht stellenweise als Indiefolk- und Indiepop-Werk durch. Das ist mehr, als ich von zwei Singer/Songwritern erwartet hatte. Offensichtlich stimmt die Chemie zwischen den beiden und vermutlich leistete auch der Produzent Tucker Martine (u. a. auch The Decemberists, My Morning Jacket und Modest Mouses "Strangers to ourselves") seinen Beitrag. 

Das Video zu "Valley clouds":



"Midas tongue":


Auch beim Tiny desk concert kann ich mich mehr für Hoop begeistern:


Popmatters bestätigt meine Vermutung, würdigt aber auch Beams Beitrag:
By playing on the strengths of both artists while minimizing any deficiencies each may have, Sam Beam and Jesca Hoop have mastered the collaborative album. Where Iron & Wine can sound a bit too sleepy, Hoop plays up her vocals or instrumentation to keep the music lively; if she begins to make her performance a bit too grandiose, Beam is there to keep her feet on level ground.

"Love letter for fire" ist:

Mittwoch, 15. Juni 2016

Welcome back? Kaiser Chiefs

Was machen die Kaiser Chiefs denn da?


Da traue ich mich ja nicht einmal "immer noch besser als Coldplay" zu sagen.

Dienstag, 14. Juni 2016

Kurortabend

"Oldiethek" und "Tanzcafé"... solche Lokalitäten gibt es also wirklich. Montags Ruhetag. Schade.

Montag, 13. Juni 2016

Musik: Augustines - This is your life

























Wäre Bruce Springsteen eine Indierock-Band...

Betrachtet man die Vorzeichen, könnte es sich bei "This is your life" von den Augustines um ein hörenswertes Album handeln: Als Support mit Noel Gallagher unterwegs, die Produktion übernahm auch bei diesem dritten Album Peter Katis (u. a. The National, Interpol, The Twilight Sad, Fanfarlo) und ich finde die Zeit wäre durchaus mal wieder reif für eine gute, schnörkelarme Indierock-Platte. 

Diesen Erwartungen gegenüber stellen die Herren aus Brooklyn um Mastermind Billy McCarthy ein langweiliges Werk, dessen Stadionrock-Teil zu aufdringlich ist und dessen Indierock bestenfalls als uninspiriert durchgeht. Schade. Aber selbst mit dieser Musik wäre ein Stadion noch besser genutzt, als mit Fußballspielen. 

Auch Intro ist skeptisch:
Da sind beispielsweise Foals um Längen kreativer und ausgefuchster, aus der jüngeren Vergangenheit sausen zudem noch gestandene Rock-Emoticons wie The Killers oder Arcade Fire auf der Überholspur vorbei. Augustines bleiben im Vergleich zu ihnen in erster Linie bombastisch und erwartbar pathetisch, ohne eine Duftmarke, erhebende Momente oder eine bleibende Erinnerung zu hinterlassen. 

"When things fall apart":


"Are we alive?":


Den Ruf als gute Live-Band stellen die Augstines hoffentlich bei diesen Gelegenheiten unter Beweis:
  • 19.06. Duisburg (Traumzeit Festival)
  • 27.09. München 
  • 01.10. Leipzig
  • 02.10. Erlangen
  • 04.10. Hamburg
  • 05.10. Berlin
"This is your life" ist:

Sonntag, 12. Juni 2016

Freitag, 10. Juni 2016

Musik: Garbage - Strange little birds

























Back to the roots. 

Über das Comeback der Band im Jahr 2012 freute ich mich. "Not your kind of people" bot musikalisch keine Überraschung aber die Bestätigung, dass man die Band um die beiden prominentesten Mitglieder Butch Vig und Shirley Manson weiter auf dem Zettel haben sollte. 

Nun ist das auch schon wieder vier Jahre her, so dass ich mich quasi erneut über das Comeback der Band freuen kann. 2,5 Jahre beanspruchten Aufnahmen und Produktion dieses sechsten Albums. Garbage waren schon immer Perfektionisten. Doch mit "Strange little birds" schaffen sie es erstmals wieder seit langer Zeit und vielleicht sogar seit dem Debüt im Jahr 1995, nicht zu perfekt und poliert zu klingen.

Die Aufnahmen begannen in Vigs einfachem Probekeller / Studio. Nach einigen Angaben verspürte die Band (auch wegen ihres mit dem letzten Album gewonnenen Indie-Status) eine Freiheit, die sie zuletzt bei den Aufnahmen zum Debüt erfahren hatte. Das Ergebnis spricht für sich. Selten klangen die Gitarren und Mansons Stimme so prägnant, selten konnte ein Garbage-Album derart überzeugend eine Grundstimmung erzeugen. Diese ist vornehmlich düster und passt gut zu den Electro-Spielereien. Vielleicht liegt es an der langen Zeit, die ich ohne Garbage-Alben verbracht habe, aber "Strange little birds" klingt in meinen Ohren frisch und ist der perfekte Soundtrack für eine abendliche Fahrt durch die Großstadt.

"Sometimes", "Empty", "Even though our love is doomed" und "So we can stay alive" sind m. E. die stärksten Songs auf "Strange little birds". 

"Even though our love is doomed":

Am 10.08. wird die Band auf dem "A summer's tale"-Festival auftreten. 

"Strange little birds" klingt nach:


Donnerstag, 9. Juni 2016

Musik: Malcolm Middleton - Summer of '13

























A brighter beat

Wenn Malcolm Middleton mit seinem aktuellen "Summer of '13" seinen eigenen Sommer des Jahres 2013 beschreibt, dann hat er sich vor drei Jahren anscheinend vornehmlich auf Electro-Pop Parties herumgetrieben. Wer jetzt bei "Malcolm Middleton" und "Electro-Pop" zuckt, tut dies zurecht. Aber so absurd die Kombination auch erscheinen mag, sie funktioniert besser als erwartet. War der erste Durchlauf noch ein "Was soll das denn?", wurde daraus recht flott ein "Mutig!". Inzwischen finde ich "Summer of  '13" gelungen.

Malcolm Middleton stand als Teil von Arab Strap für Indierock, Alternative und Slowcore. Solo führte er dieses Vermächtnis weiter. Das ging bis ca. 2009 und dem Album "Waxing gibbous" gut. Dann verkündete er das Ende seiner "creative voice". Anschließend veröffentlichte er eine Platte als Humans don't be angry und ein Album mit David Shrigley. Nun erscheint nach sieben Jahren erstmals wieder ein Album allein unter seinem Namen. 

Falls er sich in einer kreativen Krise befand, wählte er einen radikalen Ausweg. Das Ergebnis ist ein Electro-Pop Album. Und dieses funktioniert, weil Middletons sarkastische und misanthropische Art diesen Electro-Pop als banale Nebensache erscheinen lässt und die Einbindung musikalischer und textlicher Versatzstücke die ironische Vorgehensweise noch unterstreicht. Unterstützung erhält der Schotte dabei u. a. von seinem langjährigen musikalischen Begleiter Martin John Henry, Beta Band-Gründer Gordon Anderson, First Aid Kits Scott Simpson und Dance-Produzent Miaoux Miaoux. 

Seit 2007 suche ich nach einen Middleton-Song, der mich ähnlich packt wie "A brighter beat". Ein solcher Song ist nicht auf "Summer of  '13". Statt dessen steht das ganze Album unter dem Motto "A brighter beat". Experiment geglückt. Wenn schon Electro-Pop, dann bitte so augenzwinkernd wie von Malcolm Middleton präsentiert. Meine Anspieltipps sind "Steps", "You and I", "Like John Lennon said", "Little hurricane" und "Big black hole". Eine Track-by-track review des Künstlers gibt es dort

Radio Oldenburg bringt es auf den Punkt:
Ein Album voller Sommerhits für Menschen, die sonst nie Sommerhits hören würden.
Das Video zum Opener "Steps":



Am 02.09. wird Middleton in Berlin auftreten.

"Summer of '13" ist:

Mittwoch, 8. Juni 2016

Musik: Twin Red - Please interrupt
























Vieles Gute aus den 90ern.

Musikalisch waren die 90er Jahre für mich vor allem Britpop und Alternative (damals in karierten Hemden als Grunge verkleidet). Und nun werde ich von Twin Red aus Hannover mit ihrem aktuellen Album "Please interrupt" an diese beiden Einflüsse meiner musikalischen Geschmacksbildung erinnert. Hinzu mischen die fünf Herren im Durchschnittsalter von unter 25 noch etwas Emo und Pop Punk und schon klingt das schon ein ganzes Stück eigenständiger und so gar nicht nach der niedersächsischen Landeshauptstadt. 

Twin Red begannen ihre Karriere als Client.. Die Namensänderung hat der Band offensichtlich nicht geschadet und die fünf Jahre Erfahrung auch nicht. Musikalische Reife und Pop Punk-Naivität verbindet Twin Red glaubhaft. 

"Replace my head", "Distance", "Pick me up" und "Way out" sind meine Anspieltipps für "Please interrupt". 

Das Video zu "Replace my head":


Und das zu "All over":


Twin Red auf Tour:
  • 10.06. Hannover
  • 11.06. Wiesbaden
  • 12.06. Leipzig
"Please interrupt" klingt nach:


Dienstag, 7. Juni 2016

Angekommen im 20. Jahrhundert

Es soll niemand behaupten, die Kirche sei nicht auf der Höhe der Zeit. Kürzlich beim Kirchgang gehört: "... und wir bieten eine Neuerung: Ab sofort können sie Kirchenämter bequem von zu Hause aus bestellen. Papierformulare liegen hinten aus...."

Montag, 6. Juni 2016

Musik: Marissa Nadler - Strangers

























Zwischen dezent und unauffällig. 

"American Gothic" wird Marissa Nadlers Musik von einigen benannt. Eine eigene Kategorie benötige ich für die Mischung aus Singer/Songwriter, Indiefolk/Country, Dreampop, etwas Ambient und Indierock nicht. Zumindest "Masse" liefert die Sängerin aus Massachuchetts mit nunmehr sieben veröffentlichten Alben seit dem Jahr 2004. 

Wie bereits beim Vorgänger "July" muss man sich auf die zum Teil düstere Instrumentierung konzentrieren, um nicht von der durch Nadlers Gesang verbreiteten Dreampop-Stimmung eingelullt zu werden. Das gelang mir bislang bei keinem der Albumdurchläufe. "Skyscraper", "Hungry is the ghost" und "Janie in love" fielen mir aber immer als gute Titel auf. 

Plattentests.de vergleicht mit Lana Del Rey:
Nicht so Nadler. Die vertraut ihren eigenen Songs, zutiefst, absolut und blind, was stellenweise schon verhängnisvoll erscheint. Denn sie mischt geradezu untertänig das Obskure mit den eigenen Befindlichkeiten. Letztere hinterfragt sie, das andere nicht. Als würde sie einer dunklen, apokalyptischen Macht willig folgen, die allzu energisch an ihrer Hand reißt. "Strangers" ist daher ein Album, dem Hörer mehr misstrauen sollten, als es Nadler selbst tut. Es verpackt eine Lebensbitternis in galante Arrangements. Es verführt zu etwas, das man eigentlich gar nicht möchte.
Für meinen Geschmack ist die düstere Ader in Nadlers Musik zu unauffällig, aber sensiblere Hörer können "Strangers" bestimmt mehr abgewinnen.

Das Video zu "All the colors of the dark":


Marissa Nadler wärmt sich kurz in Europa auf, bevor sie in ihrer Heimat auf Tour geht:
  • 07.06. Hamburg
  • 09.07. Berlin
"Strangers" ist:

Sonntag, 5. Juni 2016

Samstag, 4. Juni 2016

Musik: Gabriel Bruce - Come all sufferers

























Intensiv, vielseitig und mächtig.

Üblicherweise kümmere ich mich nicht darum, ob Musikvorstellungen zueinander passen. Aber "Ash & ice" von The Kills und Gabriel Bruces "Come all sufferers" haben eine Gemeinsamkeit, die einfach erwähnt werden muss. Doch das werde ich erst gegen am Ende des Beitrags tun.

Gabriel Bruce veröffentlichte sein Debüt "Love in arms" im Jahr 2013, nun legt er mit "Come all sufferers" nach. Er ist mit einer sonoren Stimme gesegnet, die Fluch und Segen zugleich ist. Mit Sängern ähnlicher Stimmlage (Nick Cave, David Bowie, Leonhard Cohen, Stuart A. Staples und Iggy Pop) teilt er das Schicksal, dass ihre Stimmen unverkennbar sind aber auch so viel Raum einnehmen, dass viele ihrer Songs ähnlich klingen.

Bruce gelingt es auf "Come all sufferers", dass keine zwei Titel einander gleichen. Da steht ein ruhiger Singer/Songwriter-Song wie "This human mess" neben einer Disco-Nummer ("So many of you") und "Jesus Drag Queen", welcher auch von Marilyn Manson stammen könnte. Mit "Come all sufferers" ist ihm eines der bislang spannendsten Singer/Songwriter-Alben des Jahres gelungen. "Kurt & Kanye" ist für mich einer der Songs des Jahres. Daneben gefallen mir auch "Sacred heart", "Gates of Babylon" und "Jesus Drag Queen" sehr gut. Und die Texte machen mich auch neugierig auf weitere Durchläufe. Toll. 

"Freedom":



"Come all sufferers" ist:

Ach so: Ich bin ja noch die Gemeinsamkeit mit "Ash & ice" schuldig. Ich gebe zu, man hört es den Alben nicht an: Sowohl Jamie Hince von The Kills als auch Gabriel Bruce hatten kürzlich einen schwerer Hand-/Fingerunfall. Es ist erfreulich, dass beide wieder genesen sind und sie nicht dauerhaft von der Veröffentlichung ihrer aktuellen Alben abgehalten wurden. 

Freitag, 3. Juni 2016

Musik: The Kills - Ash & ice

























Über Kontinente und Genregrenzen hinweg gut. 

Als ich durch die aktuelle Veröffentlichung wieder an The Kills erinnert wurde, dachte ich zuerst an die Kombination einer amerikanischen Sängerin (Alison Mosshart, aka "VV") mit einem britischen Gitarristen (Jamie Hince, aka "Hotel"). Direkt danach kamen mir die (blues-)rockigen Gitarren und elektronischen Elemente in den Sinn. Diese sich in diesem Fall gut ergänzenden Gegensätze sind mit dem aktuellen Albumtitel "Ash & ice" gut beschrieben. Denn offensichtlich passen sie besser zusammen als Feuer und Eis. 

Mosshart und Hince fanden musikalisch bereits im Jahr 2000 zueinander. Fünf Alben in 16 Jahren sind sicherlich zumindest zahlenmäßig eine magere Ausbeute. Beide sind allerdings auch in anderen Bands tätig, so z. B. Mosshart in The Dead Weather mit Jack White. Hince ist zudem (noch) mit Kate Moss verheiratet, man kann nur vermuten, dass sie ihn gelegentlich von dessen Musik abgelenkt hat.

Auch wenn die Ausbeute an Alben bislang gering war, konnte man sich bezüglich ihrer Qualität nicht beschweren. 2008 führe ich als Referenzen PJ Harvey, LCD Soundsystem und die Soho Dolls an. Abstrakter beschreibe ich es heute als eine Mixtur aus Indierock, Garage Rock und Electro. Stellenweise geraten die Gitarren recht bluesrockig, so dass Vergleiche mit Jack White nahe liegen. Auch mit einem nutzbaren Finger weniger (Autotür und Ärztepfusch) bleibt Hince ein guter Gitarrist. Mossharts Stimme hat in meine Wahrnehmung über die Jahre gewonnen. Sie kann sich gut gegen  die prägnanten Gitarren und Beats behaupten. Die Synths und Rhythmen nehmen eine prominentere Stellung ein als auf den früheren Alben. Vielleicht ersetzen sie den Finger. Einige Ecken und Kanten gingen verloren, aber "Ash & ice" wird auch über die 13 Songs nie langweilig. Meine Favoriten sind "Doing it to death", "Heart of a dog", "Days of why and how", "Let it drop", "Impossible tracks" und "Echo home". 

Bis zur Albumveröffentlichung wurden bereits drei Videos spendiert. Das Video zu "Siberian nights":

"Heart of a dog":

"Doing it to death":



The Kills live:
  • 08.08. Leipzig
  • 22.10. Berlin
  • 23.10. Hamburg
  • 25.10. Köln
  • 26.10. München
"Ash & ice" ist:

Donnerstag, 2. Juni 2016

Musik: Minor Victories - Minor victories

























Erwartungen mindestens erfüllt. 

Bei der Vorstellung dieses Albums wird das "S-Wort" nicht genutzt. Die Kombination von Slowdives Rachel Goswell mit den Editors wurde bereits auf deren Album "In dream" erprobt. Über die Verbindung von Rachel Goswell und Justin Lockey der Editors kamen dann noch dessen Bruder James und Mogwais Stuart Braithwaite ins Spiel. Das Ergebnis nennt sich Minor Victories und veröffentlicht nun sein gleichnamiges Debüt. 

Wer eine Kombination von Slowdive, Ediors und Mogwai erwartet, liegt recht gut. Prägend sind Goswells verträumtes Gesäusel, Streicherteppiche, Electro-Einwürfe und Mogwai-Gitarren. Die beiden Lockey-Brüder stellten das Album über Monate zusammen. Die Beiträge der anderen Musiker wurden mit den Mitteln der modernen Kommunikationstechnik ausgetauscht. Justin Lockey suchte ein Ventil für nicht verwertete Ideen, wahrscheinlich klingt "Minor victories" daher recht wenig nach den jüngeren Editors-Longplayern. 

Stellenweise bietet mir "Minor victories" einen Tick zu viel Shoegaze-Langweile, aber meist wird diese dann durch Mogwai-Gitarren aufgehoben. Insgesamt ist den etablierten Musikern auch in dieser Kombination ein gutes Album gelungen, welches sich vor den aktuellen Mogwai- und Editors-Platten nicht verstecken muss und souverän zwischen filigranen und gewaltigen Momenten balanciert. Fans der "Hauptbands" der Musiker werden nicht enttäuscht. 

Goswells Gesang beeindruckt mich auch in diesem Kontext nicht nachhaltig. Daher gefallen mir die Songs "Scattered ashes (Song for Richard") mit James Graham von The Twilight Sad und "For you always" mit Mark Kozelek von Sun Kill Moon als Gastsänger besonders gut. Darüber hinaus wissen auch "Give up the ghost", "A hundred ropes" und "The thief" zu überzeugen.

"A hundred ropes":



Live-Eindrücke bietet die Band in Deutschland vorerst nur am 04.06. beim Maifeld Derby in Mannheim und am 13.08. beim Haldern Pop Festival.

"Minor victories" klingt nach:

Mittwoch, 1. Juni 2016

Welcome back: Moddi

Spätestens seit seinem Konzert in Hannover bin ich äußerst angetan von seiner Musik. Da wird es langsam Zeit für ein neues Album. Im September wird "Unsongs" endlich erscheinen. Moddi hat sich dafür Songs vorgenommen, die in irgendeiner Form Opfer von Zensur geworden sind. Bei Pledge Music kann sich schon jetzt jeder sein Vorfreude-Paket schnüren. 

Hier der Song "Punk prayer" (original von Pussy Riot) als Vorgeschmack: